Marder
Verbiss und Verdruss

Die putzigen Tiere verursachen allein in Deutschland Kosten in Höhe von 72 Millionen Euro jährlich. Jetzt wollen fränkische Forscher mit neuen Kabelmaterialien der Plage Einhalt gebieten – ohne der Natur zu schaden.

Steinmarder: Feind des deutschen Autofahrers
Steinmarder: Feind des deutschen Autofahrers (Sinousxl/Pixabay)

Wenn ein Marder den Geruch eines Revierkonkurrenten, der zuvor am Ort war, unter einem parkenden Auto wahrnimmt, dreht er durch und beißt in Zündkabel, Kühlwasserschläuche und sonstige Kunststoffteile. Über 200000 Schäden durch Marderangriffe meldeten deutsche Versicherungen im vergangenen Jahr.

David Krieg will damit Schluss machen. Dabei sollen weder Elektrofallen noch Ultraschall – die auch Igeln, Füchsen und Haustieren schaden – zum Zuge kommen, sondern schlicht neue Kunststoffchemie. Krieg, Projektleiter am Institut für Angewandte Biopolymerforschung der Hochschule Hof, will Schläuche aus „einem günstigen Massekunststoff entwickeln, welcher einerseits die gleichen Eigenschaften wie PVC aufweist und andererseits besseren Schutz vor Marderverbiss bietet“. PVC ist zwar gut für die Produktion derartiger Schläuche geeignet, setzt jedoch beim Recycling Chlorwasserstoff frei. Andere bissfeste Kunststoffe sind schlicht zu teuer für die massenhafte Verwendung.

Um der Natur nahe zu kommen, haben die Forscher, zusammen mit dem Biologischen Institut Oldenburg, einen Prüfstand mit einem nachgebildeten Mardergebiss gebaut. Angesteuert von einem Computer beißt der Pseudo-Marder in die diversen Schlauchvarianten. Allein auf die Festigkeit des Materials wollen sich die Entwickler jedoch nicht verlassen. Bitterstoffe in den äußeren Schichten der Schläuche sollen „zusätzlich einen über Jahre anhaltenden Vergrämungseffekt erzeugen“, sagt Krieg.

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