Vogelschutz
Versöhnung vor Superwahljahr 2021

Die Grünen und der Naturschutzbund Deutschland haben in einem Vier-Seiten-Papier ihren Dauerstreit über den Vogelschutz bei neuen Winkraftanlagen beigelegt. Dabei sind die Gefahren für die Tiere der Lüfte anderswo um ein Vielfaches größer.

Gefahr durch Windmühlen: zig- bis hundertfach mehr tote Vögel durch Straßenvkehr und verglaste Gebäude (Foto: Mylene2401 / pixabay)

Naturschützer nannten Windanlagenbauer schon mal gern Vogelmörder. Im Gegenzug scholten Grünen-Vertreter die Protestierer „klagewütige Energie-Wende-Verhinderer“. Den Streit haben Grünen-Co-Chef Robert Habeck und der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Jörg-Andreas Krüger, jetzt zumindest formell beigelegt. In einem Vier-Seiten-Papier verständigten sich beide Seiten auf gemeinsame Regeln, mit deren Einhaltung sie künftig sowohl einen schnelleren Ausbau der Windenergie als auch den Schutz der Vögel vor den riesigen Rotoren gewährleisten wollen.

Dazu soll jedes Bundesland einen „Mindestanteil an Windstrom“ erfüllen und die dazu nötigen „Vorrang- bzw. Eignungsgebiete“ ausweisen, bei denen der Vogelschutz geprüft werden soll. Das sollen jeweils rund zwei Prozent der Landesfläche sein. Außerhalb dieser Gebiete soll es jedoch keine Windenergieanlagen geben. „Wir beschleunigen den Windkraftausbau und wahren den Artenschutz“, sagte Nabu-Präsident Krüger. Und Grünen-Co-Chef Habeck erklärte: „Damit erbringen wir den Beweis, dass Artenschutz und Ausbaubeschleunigung Hand in Hand gehen können.“ Die Eingigung kommt rechtzeitig vor dem Superwahljahr 2021.

Nach Schätzung des Nabu-eigenen Michael-Otto-Instituts liegt die Zahl der toten Vögel durch Windkraftanlagen in Deutschland „irgendwo zwischen 10.000 und 100.000 pro Jahr“. Zig- bis hundertfach größer ist die Gefahr für die Tiere der Lüfte jedoch anderswo. Das eigentliche „Massenvernichtungsmittel“ für Vögel, räumt der Nabu selber ein, sei der Autoverkehr, dem jährlich eine Anzahl von Vögeln „mit hoher Wahrscheinlichkeit im mittleren zweistelligen Millionenbereich“ zum Opfer fielen. Darüberhinaus sterben an Glasscheiben von Gebäuden laut Bundesamt für Naturschutz „europaweit nach Schätzungen 240 000 Vögel pro Tag, im Jahr wären das knapp 90 Millionen Tiere“.

Mehr: Süddeutsche Zeitung, BUND, Klimareporter