Güterverkehr
Klappt’s diesmal? Bahn setzt auf Übernacht-Schnellverbindungen

Mit dem Angebot, Waren zügig von Lager zu Lager zu transportieren, hofft die DB-Cargo-Chefin, Unternehmen im großen Stil für die Schiene zu gewinnen. Der Service soll in ganz Europa ausgerollt werden. Welche neuen Expresszüge geplant sind.

Beladung einer Güterzugs mit Containern im Rostocker Hafen
Beladung eines Güterzugs mit Containern im Rostocker Hafen Klimafreundlicher auch ohne Gleisanschluss
Foto: Deutsche Bahn AG/Oliver Lang

Zwischen Hamburg und Köln rattern sie schon Nacht für Nacht über die Gleise: Güter-Expresszüge. 2021 will DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta weitere Wirtschaftszentren in Deutschland an den Schnellverkehr anbinden. Geplant sind die Strecken Hamburg – Berlin, Hamburg – Mannheim, Köln-Berlin, Köln – München, Mannheim – München, Hamburg – Stuttgart und Bremen – Stuttgart. Und nicht nur das. Die Bahntochter bietet Unternehmen auch in vielen weiteren Ländern an, künftig die komplette Logistikkette zu übernehmen. Von Warentor zu Warentor, auch für Betriebe ohne Gleisanschluss. „Der Kunde braucht nur noch uns“, kündigt Nikutta an und hofft, der erweiterte Service würde die Güterverkehrssparte der DB zum wichtigsten Bahnlogistik-Unternehmen in Europa katapultieren.

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Hochtrabende Pläne, Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern, um die Lkw-Flut zu stoppen und den Transport klimafreundlicher zu gestalten, gab es in den vergangenen Jahrzehnten häufig. Der Erfolg blieb bescheiden. Seit der Jahrtausendwende ist der Anteil der Bahn gerade einmal von 16,2 auf 19 Prozent gestiegen (siehe Grafik unten). Die Bundesregierung hat bis 2030 ein Viertel als Zielmarke ausgegeben.

Ob sich tatsächlich in großem Umfang Unternehmen finden werden, die ihren ökologischen Fußabdruck durch den Umstieg auf die Bahn verkleinern wollen – immerhin senkt jede Tonne Fracht auf der Schiene die CO2-Belastung gegenüber dem Straßentransport um 80 Prozent – halten Kritiker für längst nicht ausgemacht. Die Allianz pro Schiene hält gleich zehn Gründe parat, warum die Verlagerung nur schleppend voran kommt. Dazu zählt sie Dieselsubventionen und Kaufprämien für Lastwagen, mit denen die Bundesregierung ihre Pläne untergräbt.

Mehr: Wallstreet Online Allianz pro Schiene

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