Handel
Haste mal 50 Millionen?

Stell‘ dir vor, Lidl will so richtig Kohle spenden und keiner freut sich darüber. Deutschlands Bauern protestieren. Sie wollen auskömmliche Preise für ihre Produkte und keine Almosen von den Lebensmittelketten. Stehen wir vor einem heißen Winter?

Armer Bauer, arme Sau - Spende schafft Unfrieden
Armer Bauer, arme Sau – Spende schafft Unfrieden (siepmannH/Pixelio)

Seit Wochen blockieren Landwirte Verteilzentralen von Aldi, Rewe. Edeka und Lidl. Im niedersächsischen Cloppenburg versperrten die Bauern mit 300 Traktoren tagelang die Zufahrt zum Lidl Zentrallager. Um die Wogen zu glätten, kündigte Lidl eine 50-Millionen-Euro-Spende zugunsten der Initiative Tierwohl an, in der Einzelhandel, Landwirte und Tierschutzorganisationen zusammen arbeiten.

Doch Vertreter der radikalen Bauernbewegung „Land schafft Verbindung“ bezeichneten die Spende als „reine Marketingaktion“ und rechneten vor, dass die Spende pro Betrieb nur 192 Euro ausmache. Joachim Rukwied, Präsident des eher traditionellen Deutschen Bauernverbandes, sprach von einer „lächerlichen Summe“. Wegen des Preisdrucks verlören die „Bauern diesen Betrag fast wöchentlich“.

Seit Jahren klagen die Agrarier über zu geringe Preise für Fleisch und Milch. Vor allem die Schweinebauern sind unter Druck geraten, weil sie wegen der Corona-Epidemie und der afrikanischen Schweinepest auf ihren Tieren sitzen bleiben. Laut einer Umfrage des Nachrichtenportals agrarheute.com sind 92 Prozent der befragten Landwirte der Meinung, dass sie keine Spenden, sondern höhere Erzeugerpreise bräuchten. Nur zwei Prozent empfanden die Spendenbereitschaft von Lidl als gutes Zeichen dafür, dass die Proteste etwas gebracht hätten.

Mehr: agrarheute Schweizer Bauer NDR