Neues Erdzeitalter - das Anthropozän
Der Mensch erdrückt unseren Planeten

Erstmals überschreitet das Gewicht der von Menschen geschaffenen Gegenstände das der lebenden Biomasse. Die massiven Eingriffe destabilisieren unsere Ökosysteme. Chiffren dafür sind Klimawandel, Plastikflut, Verlust an Artenvielfalt. Die Welt bewegt sich am Limit.

nächtliche Skyline von Frankfurt am Main
Skyline von Frankfurt am Main Asphalt, Stahl und Beton verdrängen die Natur
Foto: Philippsaal on Pixabay

Die Zahlen mögen schocken – auf jeden Fall markieren sie eine tiefe Zäsur in der Erdgeschichte. Mit einer Masse von mehr als 1,1 Teratonnen, umgerechnet 1 100 000 000 000 Tonnen, dominieren nun künstlich hergestellte Dinge aller Art – vom Nähgarn bis zum Wolkenkratzer – das Leben auf unserem Planeten. Zugleich plündert die Menschheit ihre natürlichen Ressourcen. Vor allem durch die Nahrungsmittelproduktion und die Nutzung der Wälder als Baustoff und Heizmaterial hat sie die lebendige Biomasse, die zu 90 Prozent aus Pflanzen besteht, von zwei auf eine Teratonne halbiert. Das haben Wissenschaftler des israelischen Weizmann-Instituts errechnet und im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht.

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Die direkte Gegenüberstellung einzelner Größen macht den tiefen Einschnitt noch deutlicher. So bringen alle Tiere dieser Welt vier Gigatonnen auf die Waage; dagegen hat die Menschheit den Planeten bereits mit acht Gigatonnen Plastik überflutet. Bäume und Sträucher bringen es auf 900 Gigatonnen Masse; Gebäude und Infrastruktur toppen das und schlagen mit 1 100 Gigatonnen zu Buche.

Seit Beginn der Industrialisierung vergrößert der Homo sapiens in rasendem Tempo seinen ökologischen Fußabdruck. Inzwischen ist er der dominante Faktor in der Erdgeschichte – Forscher prägten dafür den Begriff des Anthropozän. „Das Gesicht der Erde ist in nie dagewesener Weise beeinflusst vom menschlichen Handeln und der Produktion und Anhäufung von menschengemachten Gegenständen“, schreiben die Weizmann-Autoren in ihrer Studie. Konkret bedeutet das: Der Mensch verbrennt hemmungslos Kohle und Öl, holzt die Regenwälder ab, kippt jährlich Millionen Tonnen Müll in die Ozeane und verwüstet auf der Jagd nach Rohstoffen ganze Landstriche.

Geht der Raubbau weiter wie bisher, auch das haben die Forscher errechnet, weitet der Mensch seinen Fußabdruck noch einmal drastisch aus. Schon 2040 würde er mit drei Teratonnen auf dem Planeten lasten – das Dreifache des heutigen Gewichts.

Mehr: Nature Guardian