Permafrost
Tauende Zeitbomben

Es ist eine beunruhigende Entwicklung. Nirgendwo steigen die Temperaturen rascher als in der Arktis. Wenn die tief gefrorene Erde auftaut, setzen Bakterien riesige Mengen Treibhausgase frei. Tübinger Forscher fanden heraus, dass dies noch schneller passiert als gedacht.

Torfmoor von Stordalen im schwedischen Abisko Böden werden zu Matsch
Foto: Monique Patzner

Der Computerwissenschaftler und Technikautor James Bridle beschrieb die Gefahr, wie unversehens uns die Welt entgleiten könnte, in seinem Buch „New Dark Age“ . Wenn sich die Erde erwärmt, erwachen Bakterien zum Leben, die viele Jahrtausende im Boden schlummerten. Sie verdauen im Eis gebundenen Kohlenstoff und erzeugen dabei die Klimagase Kohlendioxid (CO2) und Methan sowie weitere Hitze, die den Boden noch schneller auftaut und weitere Bakterien aktiviert. Ein sich durch positive Rückkopplung selbst verstärkender Effekt. „Wenn das Eis schmilzt, gibt es kein Zurück mehr“, zitiert der Brite warnend den dänischen Direktor des Kopenhagener Zentrums für Permafrost, Bo Elberling.

Als wäre das nicht schon dramatisch genug, hat ein Forschungsteam der Universität Tübingen jetzt einen weiteren Beschleuniger des Prozesses entdeckt. Bisher bestand die Hoffnung, dass Eisenmineralien, die ebenfalls Bestandteil vieler Permafrostböden sind, Kohlenstoff binden und vor dem Abbau schützen könnten. Die Tübinger untersuchten die Speicherkapazität solcher rostiger Kohlenstoffsenken im Torfmoor von Stordalen im schwedischen Abisko.

Ihre Analyse lässt die Hoffnung platzen wie einen Luftballon. Dieses wenig ermutigende Fazit zieht Studienleiterin Monique Patzner: „Es sieht so aus, als werde der zuvor an Eisen gebundene Kohlenstoff schnell für Bakterien verfügbar und sofort zu Treibhausgasen umgesetzt.“ Daher fordert die Geowissenschaftlerin: „Das ist ein Prozess, der in den Klimavorhersagemodellen bisher fehlt und einbezogen werden müsste.“

Wie sehr die Welt darum bangen muss, dass die Permafrostböden intakt bleiben, zeigt die folgende Zahl. Etwa ein Viertel der Böden auf der Nordhalbkugel ist dauerhaft eisig. Sie speichern Schätzungen zufolge doppelt so viel Kohlenstoff wie aktuell in der Erdatmosphäre vorhanden ist.

Mehr: Nature idw

Bohrkern der aktiven Schicht eine Dauerfrostbodens Zerstobene Hoffnung
Foto: Monique Patzner