Schifffahrtstourismus
Zieht die Segel hoch

Reedereien stehen in der Kritik. Ihre Kreuzfahrtschiffe, Ausflugsboote und Frachter würden mit ihren Schweröl- und Dieselantrieben Luft und Wasser verpesten, so der Tenor. Jetzt bemühen sich die Schiffseigner vermehrt um klimaverträgliche Alternativen – vor allem für Touristen.

grafische Darstellung des Decks der Sea Cloud Spirit
Computersimulation vom Oberdeck Im April soll der Großsegler erstmals in See stechen Quelle: Sea Cloud Cruises

Die Hamburger Reederei Sea Cloud Cruises verfolgt die Ursprünglichkeit der Seefahrt als Geschäftsmodell. Urlauber, die bei ihnen buchen, genießen rustikales Segel-Flair kombiniert mit allerlei Luxus. Zwei Windjammer, ausgelegt für einige Dutzend Passagiere, schicken die Hanseaten bereits über die Meere. Jetzt kommt ein dritter Großsegler für 136 Reisende hinzu. Die 136 Meter lange Sea Cloud Spirit soll im April nächsten Jahres von Palma de Mallorca aus zu ihrer Jungfernfahrt starten. Ganz stubenrein ist der Dreimaster indes nicht. Für Flautenzeiten oder Anlegemanöver hat er einen elektrischen Schiffsdiesel an Bord.

Im Süden Deutschlands läuten die Bodensee-Schiffsbetriebe das sukzessive Aus für dreckige Antriebe und Schadstofffahnen aus den Schornsteinen ein. Sie investieren mehrere Millionen in den Kauf zweier elektrisch angetriebener Ausflugsboote mit Platz für jeweils 300 Fahrgäste. Um beim Betrieb möglichst wenig Strom aus den Batterien ziehen zu müssen, werden die E-Schiffe als Katamaran konstruiert, dessen schmale Kufen weniger Wasserwiderstand erzeugen als ein klassischer Rumpf. Eine Aluminiumhaut reduziert das Gewicht, Solarpaneele überdachen das Freideck. Ihre bestehende Flotte will die Reederei zügig auf synthetische Kraftstoffe umrüsten, sogenannte E-Fuels.

Selbst große Lasten sollen schon bald per Windantrieb die Ozeane überqueren. Die schwedische Werft Wallenius Marine baut einen 200 Meter langen und 40 Meter breiten futuristischen Autotransporter, der bis zu 7000 Neufahrzeuge laden und diese in zwölf Tagen von Europa an die US-Küste transportieren soll. Die 80 Meter hohen Segel bestehen aus Stahl und extrem leichten Verbundwerkstoffen und drehen sich flexibel in den Wind.

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