Bayern
Tiefenwärme ohne Beben

Kommunalpolitiker vor den Toren Münchens arbeiten seit fast zwanzig Jahren an einem Projekt, dass 70 000 Menschen mit Erdwärme versorgen soll. Es gibt trotz möglicher Bohrungen bis zu 3000 Meter Tiefe keine nennenswerten Proteste. Jetzt starten die Politiker einen neuen Anlauf. Diesmal mit Erfolg?

Bohrung nach Erdwärme Nicht immer ungefährlich
Bohrung nach Erdwärme Nicht immer ungefährlich (stux/Pixabay)

Das Vorhaben war so gut wie tot. Die ersten Ideen kursierten schon kurz nach der Jahrtausendwende. Im Jahr 2006 trafen sich dann Bürgermeister aus mehreren Nachbargemeinden medienwirksam auf einem verschneiten Feld in Grasbrunn, dass sie als künftigen Standort von Bohrtürmen ausgemacht hatten. Drei Jahre danach wurde mit viel Tamtam eine Machbarkeitsstudie herausgegeben. Im Jahr 2013 verkündeten die Bürgermeister in der Presse, dass nur zwei Jahre später die ersten Häuser mit Tiefenwärme beheizt würden. Dann stieg ein Investor aus. Um das Vorhaben wurde es still.

Jetzt unternimmt Landrat Robert Niedergesäß (CSU), flankiert von fünf Bürgermeistern, einen neuen Anlauf. Vieles spricht dafür, dass in einigen Jahren tatsächlich der halbe Landkreis Ebersberg mit Tiefenwärme versorgt werden könnte. Die klimapolitische Diskussion hat das Projekt wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Das Ziel ist, Gas und Öl durch CO2-freie Tiefenenergie zu ersetzen. Bis 2030 will der Landkreis die fossile Energieversorgung hinter sich lassen.

Erdbeben wie nach den geothermischen Bohrungen bei Basel oder Straßburg werden wegen der stabilen geologischen Bedingungen nicht erwartet. Der Widerstand hielt sich daher bislang in Grenzen. Selbst die Grünen in dem – im Speckgürtel von München gelegen – Landkreis sprechen sich für die Tiefenwärme aus.

Das Vorhaben wäre eines der größten Geothermie-Projekte in Deutschland. Die Bohrung würde – gemäß der ursprünglichen Planungen – etwa 25 Millionen Euro kosten, die Heizzentrale etwa acht Millionen. Dazu kämen noch 35 Millionen Euro für den Ausbau des Fernwärmenetzes. Da mindestens fünf Kommunen mit im Boot sitzen, halten sich die Kosten pro Dorf oder Stadt in Grenzen.

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