Erdwärme
Politische Nachbeben

Die Präfektin des Departement Unter-Elsass hat die geothermischen Bohrungen in Reichstett bei Straßburg nach mehreren Erdbeben untersagt. Damit dürften die Hoffnungen auf günstige Energie aus der Erde im oberen Rheintal vorerst begraben sein. Doch die Befürworter geben nicht auf.

Straßburger Altstadt Gefährdet durch geothermische Beben?
Straßburger Altstadt Gefährdet durch geothermische Beben? (hpgruesen/Pixabay)

Josiane Chevalier, als Präfektin Vertreterin des französischen Zentralstaats im Departement, stoppte damit auch die Bohrungen in den naheliegenden Gemeinden Illkirch, Eckbolsheim und Hutigheim. Zum Teil hatten die Arbeiten in diesen Gemeinden noch nicht angefangen. Anfang Dezember hatte es mehrere Beben bis zur Stärke 3,5 auf der Richterskala gegeben. Die Erdbeben waren der Höhepunkt einer Reihe von Erschütterungen während der vergangenen Jahre. Untersuchungen hatten ergeben, dass die Stöße „menschlich induziert“ waren, d.h. Folge der geothermischen Bohrungen waren. Auf einer Online-Veranstaltung informierte die Stadt Straßburg über die Möglichkeit, sich per Formular an das Geothermie-Unternehmen Fonroche, das die Bohrungen vorantrieb, zu wenden. Allein im badischen Vorort Kehl sollen rund hundert Betroffene Bauschäden gemeldet haben.

Die Region hatte auf die Erschließung der geothermischen Energie große Erwartungen gesetzt. Das bis zu 200 Grad heiße Wasser aus Erdschichten in 5 000 Meter Tiefe sollte dazu dienen, Strom für 20 000 Haushalte zu liefern und direkte Heizenergie für 26 000 Wohnungen. Bis spätestens 2050 wollen die beiden elsässischen Departements ihre Energieversorgung zu hundert Prozent aus nachhaltigen Quellen sichern.

Die Präfektin sprach zwar von einem „Arrêt définitif“. Das Projekt sei in einer städtischen Zone gelegen und biete nicht die „unverzichtbaren Sicherheitsgarantien“. Sie machte aber zugleich klar, dass es nicht darum gehe, der Geothermie den Prozess zu machen. Ähnlich äußerte sich der Bürgermeister von Reichstett, Georges Schuler: „Geothermie kann eine interessante Energiequelle sein, aber in einer städtischen Region, wo die Einwohnerdichte sehr groß ist, muss man solche Projekte meiden.“

Eine amtliche Untersuchung soll nun die genauen Ursachen der Erdbeben klären. Eine Kommission von Fachleuten wird die Präfektur künftig bei Entscheidungen hinsichtlich der Geothermie beraten. Vor allem der Erdwärme-Konzern Fonroche, der bereits hundert Millionen Euro investiert hat, will weiterbohren. „Es gibt immer Lösungen“, meinte dazu Jean-Phillipe Soulé, Directeur général von Fonroche Géothermie,“aber die können dauern.“

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