Luftverschmutzung
Überhöhter Stickoxid-Wert ist tödlich

Ein britisches Gericht stellte fest, dass ein neunjähriges Mädchen mit Asthma sterben musste, weil die Behörden nichts gegen zu viel NOx an einer verkehrsreichen Straße unternahmen. Das Urteil dürfte eine Signalwirkung weit über des Landesgrenzen hinaus entfalten.

Lebensgefährliche Autoabgase (Foto: Ben Kerckx / pixabay)

Ella Adoo-Kissi-Debrah hatte schweres Asthma. Das Mädchen musste 27-mal ins Krankenhaus, im Alter von sechs half ihr nur, dass die Ärzte sie für drei Tage in ein künsliches Koma versetzten. 2012 wurde sie für behindert erklärt. Als sie 2013 wieder eine Asthma-Attacke erlitt, starb sie. Ursache dafür, so ein Gericht in London, sei die „excessive Luftferschmutzung“ an der vielbefahrenen Hauptstraße in Lewisham im Süden der britischen Hauptstadt gewesen, in deren Nähe das neunjährige Mädchen lebte. Der Stickstoff-Dioxid-Belastung der Luft habe dort über den Grenzwerten des Landes, der EU und der Weltgesundheitsorganisation gelegen.

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Zumindest eine Mitschuld trifft nach Ansicht des Gerichts die zuständen Behörden. Die Familie sei über die hohe Luftverschmutzung nur unzureichend informiert gewesen. Allerdings habe es seinerzeit ein „bekanntes Versagen“ seitens der Behörden gegeben, diese Werte zu reduzieren.

Das Urteil dürfte den politischen und moralischen Druck auf die Berhörden auch in Deutschland erhöhen. Nach einer Erhebung des Umweltbundesamtes zu Beginn dieses Jahres gelang es 2019 zwar elf Städten, die Stickoxid-Belastung unter den zulässigen EU-Grenzwert zu senken, darunter Leipzig, Augsburg und Tübingen. Trotzdem verstießen weiterhin 46 Städte gegen die Vorschrift, am krassesten München gefolgt von Stuttgart, Berlin, Hamburg und Kiel.

Ursächlich für die übermäßige Stichoxidbelastung sind Fahrzeuge mit Dieselmotoren, die wie im Fall des Volkwagenkonzerns zudem manipuliert wurden, um bei Kontrollmessungen niedrigere Emissionen vorzutäuschen. Auslöser für die Verbesserungen waren Klagen der Deutschen Umwelthilfe.

Mehr: Tagesschau, Umweltbundesamt