Energie
Atomkraft, grün gewaschen

Sollen Kernkraft und Erdgas in Zukunft eine tragende Rolle für die Wasserstofferzeugung in Europa einnehmen? Die Brüsseler Klimavereinbarungen und verschiedene Entwürfe von EU-Institutionen legen diese Vermutung nahe.

Atomkraftwerk Kernkraft durch die Hintertür
Atomkraftwerk Kernkraft durch die Hintertür (JamesQube/Pixabay)

Im dem Ende vergangener Woche beschlossenen Abkommen hatte es geheißen, dass die EU-Staaten „die geeignetsten Techniken“ für die Energieproduktion frei wählen können. Die Formulierung, die ein Tor für fossile und atomare Energien öffnet, war zuvor in verschiedenen Entwürfen der Kommission vorbereitet worden.

Bereits in der im Juli vorgelegten Strategie der EU-Kommission zur Wasserstofferzeugung hatten die Autoren die Nutzung von sogenanntem blauen Wasserstoff, der mit Erdgas erzeugt wird, explizit eingeschlossen. CO2-Ausstöße sollten durch Speicherung in Erdkavernen vermindert werden. Die mögliche Nutzung der Kernkraft war im Sommer noch kein Thema.

Jüngere Entwürfe des Europäischen Rates, der Versammlung der Regierungen der EU-Staaten, gehen weiter und ersetzen den Begriff „grünen Wasserstoff“, also Wasserstoff der aus nachhaltigen Ressourcen stammt, durch „sauberen Wasserstoff“. Sie stellen damit grünen Wasserstoff gleich mit Wasserstoff, der mit Atomkraft oder Erdgas hergestellt wird.

Frankreich und eine Reihe von Ländern des ehemaligen Warschauer Paktes hatten sich schon vor dem Gipfel für eine Offenheit der Wasserstofftechnik eigesetzt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) befürchtet nun, dass nicht nur Erdgas, sondern auch die Errichtung neuer Atomkraftwerke mit europäischen Mitteln gefördert werde. Auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte vor dem Gipfel die Vermutung geäußert, dass Klimaschutz als Argument für den Ausbau und Neubau von Kernkraftwerken benutzt werde.

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