Naturschutz
Drüsiges Springkraut gegen Guten Heinrich

Fast drei Viertel der Arten in Deutschlands Flora sind auf dem Rückzug. Verlierer sind vor allem Pflanzen, die schon im Mittelalter zwischen Rhein und Oder zu Hause waren. Zugelegt haben dagegen Arten, die nach der Entdeckung der Neuen Welt das Land erreicht haben.

Vielfalt am Feldrand - Seltenes Bild
Vielfalt am Feldrand Seltenes Bild (Peggychoucair/Pixabay)

In einer groß angelegten Untersuchung hatten Forscher die Oberfläche Deutschlands in Rasterfelder von fünf Kilometer Seitengröße unterteilt und die Verbreitungsdaten von 2 136 der 4 300 der in Deutschland am stärksten vertretenen Pflanzenarten erhoben. An dem Projekt beteiligten sich Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung, der Universitäten Jena, Halle, Rostock, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und des Bundesamtes für Naturschutz. Rund 29 Millionen Daten werteten die Wissenschaftler aus.

Der jährliche Rückgang der Artenvielfalt betrug in jedem Rasterfeld etwa zwei Prozent in zehn Jahren. Auffallend war dabei, dass vor allem Archäophyten, also Pflanzen, die vor vielen Jahrhunderten von Menschen ins Land gebracht wurden, auf dem Rückzug sind. Typische Vertreter finden sich unter den Pflanzen an ökologisch gesunden Feldrändern wie die Saat-Wucherblume, der Echte Frauenspiegel, aber auch Spezies wie der Große Klappertopf und der Gute Heinrich.

Anders die sogenannten Neophyten: Diese Arten, die erst nach der Landung der Europäer in Amerika ins Land gekommen sind, wie das Drüsige Springkraut oder das Schmalblättrige Greiskraut breiten sich stärker aus. Allerdings kann diese Zunahme die Verluste der Artenzahl nicht ausgleichen. Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, folgert aus den alarmierenden Ergebnissen: „Wir müssen in der Land- und Forstwirtschaft ansetzen, die beide zusammen ja 80 Prozent der Flächen in Deutschland einnehmen.“

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