Mode
Da wächst kein Gras mehr

Produkte aus Kaschmirwolle sind beliebte Geschenke. Doch die einst teuren Pullover und Schals werden heute oftmals geradezu verramscht. Der Preis: Die Tiere leiden unter den brutalen Methoden zum Auskämmen der Wolle und die Umwelt unter der Überweidung.

Pullover - Flauschiges Unglück
Pullover Flauschiges Unglück (sferrario/Pixabay)

Die Zahl der Ziegen hat sich im Hauptausfuhrland für die edle Wolle, der Mongolei, seit dem Jahr 1990 auf 27 Millionen Tiere versechsfacht. Laut Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als zwei Drittel der Weidegründe in dem Steppenland bedrohlich übernutzt. Ziegen fressen – anders als Schafe – die Gräser bis zur Wurzel ab. Die Folge ist eine voranschreitende Verwüstung der Landschaft.

Hinzu kommen die rabiaten Auskämmmethoden. Die mongolischen Nomaden nahmen sich früher viel Zeit, um ihre Tiere auszukämmen. Bis zu sechs Stunden dauerte die Prozedur, die allerdings auch schon damals für die Tiere Stress bedeutete. Heute erledigen angereiste Akkord-Arbeiter das Auskämmen in weniger als einer Stunde. Filme der Tierschutz-Organisation Peta-Asia belegen die Rohheit, mit denen die Arbeiter vorgehen. Die Ziegen werden gewaltsam fixiert, die Wolle wird mit spitzen Kämmen aus dem Fell heraus gerissen. Oft bleiben blutende Wunden zurück.

Was können die Verbraucher leisten, um die Qual der Tiere zu vermindern? Ulrike Schrempp, Professorin für Textiltechnik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, meint, Verbraucher sollten sich häufiger die Frage stellen: „Trage ich das alles?“ Wer dennoch auf die flauschige Wolle aus Innerasien nicht verzichten will, kann auf Produkte mit dem Label „The Good Cashmere Standard“ zurückgreifen, das die Stiftung „Aid by Trade“ des Hamburger Versandhändlers Michael Otto ins Leben gerufen hat. Der Standard schreibt bessere Ausbildung und Bezahlung für die Arbeiter, schonende Behandlung der Tiere und nachhaltige Bewirtschaftung des Weidelandes vor.

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