Blackout
Wenn Wind und Sonne „Gute Nacht“ sagen

Geht das Licht wirklich aus, wenn der Stromanteil erneuerbarer Energien weiter zunimmt und in düsteren Winterwochen kein Hauch sich regt? Und wie häufig kommt es zu diesen sogenannten Dunkelflauten? Die Befürchtungen sind nachvollziehbar. Doch Fachleute sind optimistisch.

Düstere Windstille - Kommt es zum Blackout?
Düstere Windstille Kommt es zum Blackout? (uschi dreiuecker/Pixelio)

Von einer Dunkelflaute sprechen Energie-Experten, wenn kein oder so gut wie kein Luftstrom die Windräder treibt und gleichzeitig Dunkelheit herrscht. Fällt sie in die Winterzeit mit hohem Strombedarf, ist die Rede von einer „kalten Dunkelflaute“. Als extremes Beispiel für eine kalte Dunkelflaute gilt die Zeit zwischen dem 16. und 25. Februar 2017. Zehn Tage lang lag die Leistung aus erneuerbaren Energien jeweils um 19 Uhr zwischen 7,9 und 13,7 Gigawatt – und der Großteil davon stammte aus Wasserkraft und Biomasse. Die nachgefragte Gesamtleistung lag aber zwischen 72,8 und 76,0 Gigawatt.

Tröstlich: Die Gefahr eines Blackouts bestand zu keinem Zeitpunkt. Konventionelle Kraftwerke sprangen in die Bresche. Im vergangenen Jahr stellten deutsche Kraftwerke – ohne Windkraft- und Solaranlagen – 106 Gigawatt bei einem Spitzenbedarf von 80 Gigawatt bereit. Selbst im dunklen Januar 2019 wurden noch über zehn Prozent des Stroms exportiert.

Doch wie häufig kommt es zu Dunkelflauten? Der deutsche Wetterdienst hat die Risiken einer Stromwirtschaft untersucht, die sich wesentlich auf erneuerbare Energien stützt. Er untersuchte dazu Situationen, in denen über 48 Stunden die mittlere Energieproduktion aus Wind und Sonne unter einem Zehntel der Nennleistung blieb. Er kam zu dem Ergebnis, dass der gewählte Musterfall in Deutschland nur zweimal pro Jahr auftritt und bezogen auf Europa nur alle fünf Jahre.

Um die Sicherheit der Stromversorgung auch bei höherem Anteil erneuerbarer Energien zu garantieren – also dann, wenn Kohle-, Atom- oder Erdgaskraftwerke vom Netz gegangen sind – plädiert die Aachener Energiewissenschaftlerin Julia Badeda daher für eine stärkere Integration europäischer Netze und den weiteren Ausbau von Wind- und Sonnenenergie-Anlagen, um die zeitweise Überproduktion saisonal zu speichern. Über größere Zeiträume käme Wasserstoff als speicherbarer Energieträger infrage. Eine Studie des Berliner Marktforschers Energy Brainpool schlägt vor, ebenso Biogas, Wasserkraft und das wachsende Potential der Antriebsbatterien für Kraftfahrzeuge einzubeziehen. Die mittleren Stromkosten pro Kilowattstunde würden in einem solchen Szenario 5,7 Cent vor Transport, Vertrieb und Steuer kosten. Zusätzliche Puffer würden ein intelligentes Stromnetz mit flexibler Bepreisung für Endkunden und die stark wachsende Anzahl stationärer Akkus in Privathaushalten und bei Versorgern schaffen.

Mehr: Energy-Brainpool Bundestag