Weltweite Bedrohung
Wie organisierte Kriminalität dem Fischfang zusetzt

Weil die fruchtbaren Anbauflächen schwinden, wird das Meer zu einer unersetzlichen Nahrungsquelle für die Menschheit. Doch Schattenwirtschaft, Raubzüge, Ausbeutung und Drogenhandel gefährden die künftige Versorgung und den Bestand der marinen Ökosysteme.

Fischtrawler auf hoher See
Trawler auf hoher See Die legalen Fischer sind die Dummen Foto: moritz320 on Pixabay

Zu dieser Besorgnis erregenden Zustandsbeschreibung kommen internationale Wissenschaftlerteams in aktuellen Studien. Kriminalität auf den Meeren hat eine lange Tradition. Schon der berühmt-berüchtigte Gangsterboss Al Capone zwang Fischer in den 1920 Jahren dazu, Rum, versteckt zwischen ihrem Fang, aus der Karibik in die USA zu schmuggeln. Dort galt damals ein Alkoholverbot.

Doch zu der Zeit waren die Meere noch voller Makrelen, Thunfische und Seebarschen. Heute sind nach UN-Angaben rund 60 Prozent der ursprünglichen Bestände weggefischt; ein Drittel des verbliebenen Angebots gilt als überfischt. Da hat es verheerende Auswirkungen, wenn illegale, unter falscher Flagge fahrende Trawler in Schutzgebiete eindringen, um Beute zu machen. Oder Küstenstaaten, die dringend auf Einnahmen aus der Fischindustrie und die Arbeitsplätze dort angewiesen sind, ihre Fanggründe bei Nacht und Nebel leer räubern.

Eine jüngste weltweite Analyse schätzt, dass jedes Jahr zwischen 7,7 und 14 Millionen Tonnen Fisch undeklariert an den Behörden vorbei gehandelt werden. Dem legalen Fischhandel entgingen so jährlich zwischen 8,9 und17,2 Milliarden US-Dollar an Einnahmen. Hinzu kommen Steuerverluste und die Gefährdung der sensiblen marine Ökosysteme. Lokale Kleinfischer kehren immer öfter mit leeren Netzen zurück, wo Fischpiraten ihre Raubzüge starten.

Dabei ist die Menschheit dringend auf reiche Fischgründe in den Ozeanen als Nahrungsquelle angewiesen. Ohne die eiweißreiche Beute aus den Weltmeeren ließen sich den Forschern zufolge die geschätzt 9,8 Milliarden Menschen, die im Jahr 2050 unseren Planeten bewohnen, nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgen. Im Extremfall könnte sich die jährliche Nachfrage nach den Meeresprodukten gegenüber heute auf 103 Millionen Tonnen fast verdoppeln.

Naturschützer brandmarken aber auch die Regierungen vieler Industriestaaten selbst als Meereszerstörer. So subventionieren Japan, China, die EU und die USA mit Milliardenzuschüssen die Überfischung. Die Welthandelsorganisation WTO will jetzt ein Abkommen gegen den Unsinn aushandeln.

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