Wohnungsnot
1 Million Plastikhäuser für Afrika

Seit 1950 vermüllt die Menscheit den Planeten mit inzwischen neun Milliarden Tonnen Kunststoffen. Nicht einmal zehn Prozent werden recycelt. Ein Stararchitekt und ein Startup wollen das ändern. Sie haben preiswerte Häuser aus aufbereitetem Plastik entworfen.

Schöner Wohnen auch für weniger Begüterte Sind Plastikhäuser die Lösung?

Gebaut werden sollen die Plastikhäuser zunächst vor allem in Afrika, wo Milliarden Menschen in oft selbst gezimmerten Hütten hausen. Das jedenfalls ist die Vorstellung der Initiatoren: Frank Cato Lahti, Gründer des norwegischen Neuunternehmens Othalo, der mehrere Patente für Häuser aus recyceltem Kunststoff angemeldet hat. Und der belgisch-dänische Baumeister Julien de Smedt, der das renommierte Architekturbüro JDS führt und sich sozial-ökologischen Projekten verschrieben hat.

Sie arbeiten eng mit dem Wohnungsbauprogramm Habitat der UN zusammen. Jedes Othalo-Haus schluckt acht Tonnen Plastik. Davon liegt mehr als genug auf den Straßen, Feldern und wilden Müllkippen des Kontinents herum – wie inzwischen selbst in den abgelegensten Teilen der Welt. Dagegen sind herkömmliche Baumaterialien wie Holz und Beton oft schwierig aufzutreiben. Vor allem aber sind sie zu teuer, um bezahlbaren Wohnraum für die vielen Armen zu schaffen. Zumindest im Entwurf strahlen die Othalo-Siedlungen alles andere als Plastik-Charme aus – im Gegenteil: Sie sind stabil und formschön. Überdies relativ einfach industriell herzustellen und aufzubauen (siehe Video).

Außer Wohnblöcken plant Lahti auch Lagerräume, Notunterkünfte, Schulen und Hospitäler aus Plastikabfall zu bauen. Der Pionier für nachhaltiges Bauen schätzt, dass weltweit genügend Kunststoffe herumliegen, um eine Milliarde Häuser nach seiner Methode zu bauen. UN-Experte Vincent Kitio lobt das Projekt über alle Maße. “ Derzeit gibt es nur eine Technologie auf der Welt, die die Wohnungsnot in Afrika und das Problem des Plastikmülls lösen kann, und das ist Othalo.“

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