Akku-Werke
Hurra, wir tun was – die Asche muss raus

Bund und EU fördern Batteriefabriken mit Milliarden, nachdem die Auto-Industrie Jahre durch Abwarten verbummelt hat. Jetzt will jeder Konzern bei der Aufholjagd der Erste sein. Doch keiner weiß, ob die nagelneuen Giga-Werke nicht schon beim Anlaufen technisch überholt sind.


Geplante Batteriefabrik - Gewagte Investition

Geplante Batteriefabrik Gewagte Investition (Foto: Daimler)

So haben die Fraunhofer-Institute ein revolutionäres Beschichtungsverfahren für Batterien angekündigt, das die Reichweite von E-Autos verdreifachen soll – bei kürzerer Ladezeit. In zwei Jahren soll die Technik marktreif sein – just dann, wenn die angekündigten zwanzig Fabriken in Europa starten. Wenige Jahre später erwarten Fachleute praxisreife Festkörperbatterien. Und gleichzeitig experimentieren fast alle Hersteller mit Wasserstoffantrieben.

Ob die Zukunft den Lithium-Ionen-Akkus gehört, die heute den Stand der Technik bestimmen, ist ungewiss. Ebenso unsicher ist aber auch, zu welchen Kosten sich Fabriken umrüsten lassen, deren Produkt von der technischen Entwicklung überholt wurde. In vielen Fällen werden sich die Investoren für einen Neubau oder eine Erweiterung andernorts entscheiden. Die Milliarden aus dem Steuersäckel sind dann verloren – wie seinerzeit die öffentlichen Subventionen in die Solarfabriken der neuen Bundesländer.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sieht den Aufbau einer Batterieproduktion ungeachtet dessen als „industriepolitische Entscheidung ersten Ranges“. Man wolle die „besten, innovativsten und nachhaltigsten Batterien der Welt“ in Deutschland herstellen. Noch vor wenigen Jahren wären seine Worte ungehört verhallt. Bosch stieg 2018 aus einem angekündigten 20-Milliarden-Projekt aus. Die Krux des Schwabenkonzerns steht für das Grundproblem der Branche: In der Massenfertigung hätte Bosch keine Chance gegen den Vorsprung der asiatischen Konkurrenz gehabt. Und eigene oder eingekaufte Neuentwicklungen hätten jederzeit durch konkurrierende Techniken überholt werden können.

Inzwischen ist die Schar der Zweifler an der Zukunft des E-Autos kleiner geworden, was die Euphorie für die geplanten Giga-Fabriken in Europa zum Teil erklärt. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass es in drei bis fünf Jahren trotz einer explodierenden E-Auto-Industrie eine Reihe von Investitionsruinen in Form von leerstehenden Batteriewerken gibt.

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