Energiekonzerne
Gigantische Investitionen in erneuerbare Energien

Europas Energiekonzerne wollen im kommenden Jahr 90 Milliarden Euro in klimafreundliche Kraftwerke stecken, 50 Prozent mehr als 2020. Das ergab eine Erhebung der Unternehmensberatung Kearney. Die deutschen Stromriesen machen verhalten mit.

Zeit zum Umschalten auf grün: Techniker des italienischen Energiekonzerns Enel (Foto: Keith Dalmon Ferreira / pixabay)

Der italienische Energiekonzern Enel will bis 2030 rund 70 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren, rund sieben Milliarden Euro im Jahr. Ähnliches plant der spanische Wettbewerber Iberdrola, insgesamt 34 Milliarden Euro bis 2025. Selbst die Öl- und Gasgiganten BP aus Großbritannien, Shell aus den Niederlanden und Total aus Frankreich machen Milliarden locker, um ein wenig grün zu werden. Das zeigt eine Zusammenstellung der Unternehmensberatung Kearney.

Damit kommt die Energiewende langsam auch bei den Hauptverursachern der Erderwärmung an. Von den 90 Milliarden Euro, die Gas-, Öl- und Stromriesen im kommenden Jahr laut Kearney in die grüne Energieerzeugung stecken wollen, fließen rund drei Viertel in Winkraftanlagen und 20 Prozent in Photovoltaik, also die Stromerzeugung aus Sonnenlicht. Auslöser für den Richtungswechsel sind die erforderlichen Ersatzinvestitionen nach einer gewissen Zurückhaltung in den vergangenen Jahren. Den deutschen Energiekonzernen bleibt ohnehin nicht viel anderes, da sie 2022 ihre letzten Atomkraftwerke und bis 2038 alle Kohlemeiler abschalten müssen.

Der Essener Stromriese RWE will deshalb im kommenden Jahr immerhin fünf Milliarden Euro in erneuerbare Energien stecken. Wettbewerber EnBW aus Baden-Württemberg, der gerade riesige Solarparks in Ostdeutschland baut, plant mit vier Milliarden Euro. Selbst die Resterampe Uniper, auf die der Essener Energiekonzern E.On 2016 seine alten fossilen Kraftwerke schob und die seit vergangenem Jahr dem finnischen Konkurrenten Fortum gehört, sieht bis 2025 den Bau grüner Stromfabriken mit einer Leistung von einem Gigawatt vor. Das entspricht einem großen Steinkohleblock.

Der Ausbau der Erneuerbaren sei für die Branche ein „Schlüsselpunkt“, sagt Stefan Dohler, Chef des Oldenburger Versorgers EWE, der bis 2030 immerhin eine Milliarde Euro für grüne Kraftwerke ausgeben will. „Jeder Energiekonzern, dier dieses Thema gerade nicht sehr konsequent angeht, hat ein hohes Risiko.“

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