Volkswagen
Kraft durch Frittierfett

Was dem weltgrößten Autobauer – und zugleich unübertroffenen Curry-Wurst-Bräter – nicht alles einfällt, um aus dem Schatten seiner Dieselbetrügereien herauszutreten. Die neueste Idee sind zwei Auto-Frachtkähne, die mit altem Fett aus der Gastronomie statt Schweröl fahren.

Unterwegs für VW: Charterschiff mit gebrauchten Pflanzenölen aus Gastronomie und Lebensmittelindustrie im Tank (Foto: VW)

Volkswagen produziert nicht nur Autos, neuerdings auch erfolgreich mit Elektroantrieb. Ebenso berühmt ist der Wolfsburger Konzern für seine Currywurst, die er für die Mitarbeiter produziert, in der Werkskantine brät und auch Feinschmeckern außerhalb des Unternehmens in gigantischen Mengen als Originalteile zum Kauf anbietet (VW-Teilenummer 199 398 500 A). Wer jedes Jahr so viele Tonnen Wurstmasse durch Bratfett wälzt, der ahnt, wie viel Energie in der Brutzelflüssigkeit steckt, selbst wenn sie nach häufigem Gebrauch ihre Gourmet-Tauglichkeit eingebüßt hat.

So kamen die Experten des größten Autobauers der Welt auf die Idee, einen Teil ihrer Karossen künftig mit Frachtschiffen übers Meer transportieren zu lassen, deren Motoren nicht mit umweltschädlichem Schweröl, sondern mit „Treibstoff aus gebrauchtem Pflanzenöl aus Gastronomie und Lebensmittelindustrie“ laufen, so die offizielle Verlautbarung – sprich: mit altem Bratenfett. Der „Wunder-Kraftstoff“ namens MR1-100 bestehe „zu 100 Prozent aus organischen Abfallprodukten“, lässt Deutschlands Curry-Wurst-King verlauten. „Mit 85 Prozent weniger CO2-Ausstoß gegenüber herkömmlichem, fossilem Treibstoff ist der Beitrag für den Klimaschutz enorm“, erklärt Thomas Zernechel, Leiter der Volkswagen Konzernlogistik.

Der Kraftstoff aus der Küche wird hergestellt von dem niederländischen Unternehmen GoodFuels in Rotterdam. Er speist künftig zwei 180 Meter lange Schiffe, die VW bei der Hamburger Reederei F. Laeisz gechartert hat und die jeweils 3 500 Autos fassen. Die altfettbetriebenen Seeriesen befördern Neufahrzeuge der Marken Audi, Skoda und VW auf einem Rundkurs von Emden nach Dublin über das spanische Santander und das portugiesische Setubal zurück nach Emden. Tanken sie den „Bio-Treibstoff“, rechnet VW vor, sparen die Kähne pro Jahr in Summe rund 52.000 Tonnen CO2 ein.

Das ist ein Wort. Allerdings gleicht die Einsparung bestenfalls dem Bäuerchen nach einer Currywurst gemessen an dem CO2-Ausstoß der Autos, die VW weiterhin verkauft – und für die der Konzern vermutlich 270 Millionen Euro Strafzahlungen wegen Überschreitens der EU-Grenzwerte entrichten muss.

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