Soja
Macron ruft zum Boykott von Soja aus Brasilien auf

Nach den Horrorzahlen über den Kahlschlag in den Tropen im Amazonas-Gebiet ist es zum Streit zwischen Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und seinem brasilianischen Amtskollegen Jair Bolsonaro über den dortigen Anbau von Soja gekommen.

Bohne des Anstoßes: Zwischen Gottesfurcht und Idiotie

Der Schlagabtausch ist eröffnet. „Um Gottes Willen, kauft kein brasilianisches Soja“, appellierte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron an seine Landsleute und die Bauern in der EU. Daraufhin kofferte Brasiliens rechtspopulistischer Regierungschef Jair Bolsenaro: „Hören Sie auf, solche Idiotien zu sagen, Macron.“

Anlass für den Verbalkrieg sind die neuesten Belege für die gigantische Abholzung des tropischen Regenwaldes in der brasilianischen Amazonas-Region, die der World Wildlife Fund (WWF) gerade publik machte. Die so geschaffenen Anbauflächen würden vielfach für den Anbau von Soja verwendet, das auch nach Europa exportiert werde und dort in der Tierfütterung lande, so der WWF. Dies müsse die Politik durch ein Lieferkettengesetz verhindern, das den Import von Rohstoffen ausschließe, die mit klimaschädlichen Methoden gewonnen würden.

Das ermutigte Macron offenbar zu dem Gedanken an Gott und dem Aufruf, brasilianisches Soja zu boykottieren. „Wenn wir Soja kaufen, das durch die Zerstörung von Wald in Brasilien gewonnen wird, stehen wir nicht mit uns selbst im Einklang“, twitterte er und empfahl, den Soja-Anbau in Europa zu erhöhen. Damit löste er die Schmähkritik durch Bolsonaro und seine Anhänger aus. Der Anbau von Soja in Amazonien sei „winzig“, so Brasiliens Vize-Präsident Hamilton Mourao. „Macron bedient die protektionistischen Interessen der französischen Landwirte, nichts mehr.“

Auch wenn in Europa aus Klimagründen nicht überall Soja angebaut werden kann, gibt es Ersatzfutterpflanzen, wie aktuelle Versuche zeigen.

Mehr: Le Monde