Türkei
Wer Müll trennt, soll auch essen

Die Stadt Istanbul gibt Bürgern Geld, die ihren Hausabfall in Tüten und nach Wertstoffen getrennt an Annahmestellen abgeben. Das soll das Recycling stärken, ist in Zeiten der Wirtschaftskrise und von Corona für viele aber auch ein bitter notwendiges Zubrot.

Stadtteil Galata in Istanbul: Geldwerte Abfallpunkte für 4400 Euro (Foto: Sinasi Müldür / pixabay)

Die Szenen sind typisch für viele türkische Städte: Mittellose schieben Karren durch die Straßen mit Wertstoffen, die sie aus dem Hausmüll geklaubt haben und zu Geld zu machen versuchen. Daraus hat die Verwaltung von Instanbul nun ein System gemacht. Um das Recycling zu fördern, gibt es geldwerte Bonuspunkte für jeden, der nicht allen Abfall in die Mülltonne wirft, sondern Wiedergewinnbares aussondert und an Annahmestellen abgibt. Seit November vergangenen Jahres haben Bewohner der Bosporus-Metropole 70 Tonnen gesammelt und dafür Punkte im Wert von ungerechnet rund 4400 Euro erhalten.

„Wir haben dieses Punktesystem eingeführt, um einen Anreiz für die Mülltrennung zu schaffen“, sagt Muhammet Kisa, Leiter des Umweltamtes von Zeytinburnu, einem Stadtteil auf der europäischen Seite Istanbuls.

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, hatte der Apostel Paulus gefordert, damit die Reichen sich nicht faul von den Werktätigen aushalten lassen. Die Wirtschaftskrise in der Türkei, verstärkt durch die Corona-Pandemie, gibt den Worten des griechisch gebildeten jüdischen Theologen von vor 2000 Jahren und den Anreizen zum Müllsortieren einen bitteren Beigeschmack – im umgekehrten Sinn. Denn für viele Arbeitslose ist die Aussortierung von Papier, Glas und Plastik aus den wachsenden Abfallmengen eine Notwendigkeit, um überhaupt genügend zu essen zu haben.

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