Trendstudie
Deutsche legen mehr Wert auf ethischen Konsum

In ihrer Selbsteinschätzung kaufen die Bundesbürger zunehmend ökologisch und sozial korrekt ein. So das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Doch sie ändern ihr Verhalten vor allem bei Dingen, die wenig weh tun. Tiefere Einschnitte in den Alltag meiden sie eher.

Einkauf auf dem Wochenmarkt
Einkauf auf dem Wochenmarkt Ethischer Konsum wird zum Mainstream Foto: bogitw on Pixabay

Es hat den Anschein als begriffen Bayern, Hanseaten und Niedersachsen zunehmend, in welch ernster Lage sich unser Planet befindet. Verstärkt durch die Corona-Pandemie geben jetzt schon 70 Prozent der Deutschen an, ethische Kriterien seien fester Bestandteil ihrer Kaufentscheidung geworden. Der Leiter der Studie, der Trendforscher Professor Peter Wippermann, erkennt mehr als einen flüchtigen Wandel. „Die Forderungen nach nachhaltigen Veränderungen in unserem Wirtschaftssystem an Politik und Unternehmen und die Bereitschaft, selbst Verantwortung zu übernehmen, haben die Mitte der Gesellschaft erreicht.“

Doch was heißt das für die Praxis im alltäglichen Handeln?

Absage an Wegwerfgesellschaft

82 Prozent der Befragten befürworten den Umstieg in eine Kreislaufwirtschaft und sprechen sich für eine längere Produktnutzungsdauer und höhere Materialeffizienz aus. 63 Prozent geben sogar an, die Mehrkosten für klimaneutrale Produkte tragen zu wollen.

Second Hand und Teilen

73 Prozent der Bürger finden es gut, etwa gebrauchte Kleidung und Möbel zu kaufen oder zu verkaufen. 64 Prozent wollen Dinge öfter leihen, tauschen oder teilen – gegenüber 52 Prozent 2013 bei der ersten bundesweiten Umfrage der Handelskette Otto zum Konsumgebaren der Deutschen.

Grenzen des Wachstums

70 Prozent der Befragten sehen ernsthafte Schwierigkeiten auf Mensch und Umwelt zukommen, wenn wir weiter ungezügelt konsumieren. 77 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, dass Industrieländer mehr Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel übernehmen und die ärmeren Länder dabei unterstützen.

In der Frage, wer die Verantwortung für mehr nachhaltigen Konsum trägt, sehen 41 Prozent der Bundesbürger zuallererst die Politik in der Pflicht, 23 Prozent die Wirtschaft und lediglich 22 Prozent sich selbst. Das riecht ein wenig nach Selbstabsolution. Und in der Tat vergeht vielen Deutschen offenbar die Lust auf Umweltschutz, wenn es anstrengend zu werden droht.

Das legen jedenfalls zwei andere Umfragen aus jüngerer Zeit nahe. Demnach greift eine große Mehrheit zwar bewusst zum Beispiel nach regional erzeugtem Gemüse und Obst, gern auch in Bioqualität. Doch wenn es um große, den Geldbeutel strapazierende Investitionen geht, etwa die Anschaffung einer Solaranlage, plumpst die Bereitschaft in den Keller. Auch beim Verzicht aufs Auto zugunsten der Fahrt mit Bus und Bahn erweisen sich die Ökobekundungen oft als bloßes Lippenbekenntnis. Zwei Drittel aller Alltagskilometer legen die Deutschen am liebsten hinter dem eigenen Steuer zurück.

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