Sauberer Energieträger
Bundesregierung macht Ernst mit dem Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur

Das H2-Molekül soll Verkehr, Industrie und Energieerzeugung in Deutschland eine klimaschonende Zukunft eröffnen. Verbunden mit neuen Milliardenmärkten und Zehntausenden Jobs. Jetzt wird klarer, wie der Bund Produktion und Transport hochfahren will.

Wasserstoff-Tankstelle in Berlin
Der Zukunft zugewandt Wasserstoff-Tankstelle in Berlin Foto: Linde

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier macht es nicht unter „globaler Vorreiter“, wenn er über die Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung spricht. Doch lange blieb nebulös, wie diese den hochtrabenden Anspruch einlösen will. Jetzt werden nach und nach Details bekannt. So verrät ein Referentenentwurf, wie das Wundermolekül künftig von der Nordsee bis zum Bodensee zugänglich gemacht werden soll.

Die Idee: Bisherige Gasleitungen, die wegen der Umstellung auf eine höherenergetische Erdgassorte in ganz Deutschland nicht mehr gebraucht werden, sollen stattdessen Wasserstoff von den Erzeugern zu den Abnehmern transportieren. Sie bilden das Grundgerüst für das rund 1200 Kilometer lange Netz, das nach Expertenschätzung benötigt wird. Potenzielle Betreiber müssen ihr Interesse bei der Bundesnetzagentur anmelden. Im April nächsten Jahres sollen sie dann über den Stand des Ausbaus berichten.

Erst jüngst stellte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek drei Forschungs-Leitprojekte zur Förderung der Wasserstofftechnologie vor. 700 Millionen Euro macht sie dafür bis 2025 locker. H2Giga sucht nach großtechnischen Lösungen für die preiswerte Produktion von Wasserstoff im Wege der Elektrolyse, also der Aufspaltung von Wasser in Wasser- und Sauerstoff mittels Strom. TransHyDE fahndet nach pfiffigen Transportlösungen. Und H2Mare lotet Möglichkeiten aus, den Energieträger in Windkraftparks vor den Küsten herzustellen.

Zusätzlich wollen Bund und Länder Mittel im Rahmen des europäischen Wasserstoff-Förderprogramms IPCEI (Important Project of Common European Interest) bereit stellen. Bis zum 19. Februar dieses Jahres können hiesige Unternehmen dafür Projektskizzen einreichen.

Vom frisch entfachten Wasserstoff-Hype wollen viele Akteure profitieren. So baut der Industriegase-Konzern Linde in Leuna eine 24-Megawatt-Modellanlage für Erzeugung und Verflüssigung des Brenn- und Rohstoffs; mit Daimler entwickelt er Betankungsanlagen für Lkw. Ein Startup aus dem bayrischen Hof bieten Betreibern von Biogasanlagen eine Technik zur Umwandlung des Gases in H2 an, die in einen Container passt. Und Stahlkocher hoffen darauf, Eisenerz in ihren Hochöfen mit Wasserstoff statt dreckiger Kohle schmelzen zu können.

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