Sonnenenergie
Doppeltes Solar-Lottchen lässt Bauernherzen höher schlagen

Solarparks auf dem Lande sind umstritten. Doch zunehmend setzen die Landwirte Solaranlagen und Landbau kombiniert ein. Die Paneele schützen die Pflanzen vor Sonne und Hagel.

Solarpark - In Zukunft nicht nur Landschaftsfresser
Solarpark In Zukunft nicht nur Landschaftsfresser (JoergGastmann/Pixabay)

Vor allem in den mediterranen Ländern wächst das Interesse der Bauern an dem Sonnenschutz mit angeschlossener Stromerzeugung. Anders als die gängigen – meist hässlichen – Solarparks sind die neuen Agrivoltaik-Anlagen oft mit in mehreren Achsen beweglichen Paneelen ausgerüstet, die zusätzlich fahrbar sind und daher wie Lamellentüren übereinander geschoben werden können, um den Pflanzen Licht zu geben oder sie vor Austrocknung zu schützen. Ombrea, ein Hersteller von Agri-PV-Anlagen aus dem südfranzösischen Aix-en-Provence verspricht 30 Prozent weniger Wasserbedarf. Unter dem photovoltaischen Sonnenschirm entstünde ein beeinflussbares Mikroklima, dass den Bauern helfe, mit den Folgen des Klimawandels besser zurecht zu kommen. Die Weinbauern vermindern dank der sich selbst regelnden Schattenwerfer den Zuckergehalt um fünf Prozent und den Alkoholgehalt um ein Prozent.

Anders in Deutschland: Hier experimentieren Bauern und Hersteller mit senkrecht im Boden stehenden Einrichtungen. Durch die vertikale Ausrichtung bleiben über 90 Prozent der Agrarfläche erhalten. Die Paneele sind bifokal. Das heißt, sie fangen die Sonne auf beiden Seiten ein. Da sie in der Regel in Ost-West-Richtung stehen, erfolgt die Stromproduktion vor allem morgens und abends, wenn die Preise pro Kilowattstunde höher sind. Zwischen den Paneel-Wänden bleiben mindestens acht Meter breite Streifen für den Landbau frei. Vieles ist möglich, Kuhweide genau so wie Grasanbau für die Heuernte und selbst Ackerwirtschaft.

Doch auch die klassische Anwendung mit leicht geneigten Solarflächen hat sich in Deutschland bewährt. In Hitzesommer 2028 steigerten die Bauern der Demeter-Hofgemeinschaft Hegelbach am Bodensee im Rahmen eines Projekts mit dem Freiburger Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme ISE ihre Landnutzungseffizienz um fast 186 Prozent. Die Rechnung ist einfach. Würden die Landwirte nach klassischer Manier auf einem Hektar Kartoffeln anbauen oder einen Solarpark einrichten, könnten sie entweder 100 Prozent Kartoffeln oder hundert Prozent Solarstrom ernten. Mit der Kombi-Nutzung erzielen sie dank Verschattung eine um drei Prozent höhere Kartoffelernte, obgleich ein Teil der Fläche von den Streben der Anlage beansprucht wird. Hinzu kommt aber eine Stromernte von 83 Prozent, die wegen der größeren Abstände zwischen den Solarflächen etwas geringer als beim klassischen Solarpark ausfällt – und in den ersten zwölf Monaten pro installiertem Kilowatt immerhin 1266 Kilowattstunden brachte.

»Wenn es die Politik zulässt, kann die Agrophotovoltaik die Antwort auf die Tank-oder-Teller-Diskussion sein«, sagt Projektleiter Stephan Schindele vom Fraunhofer ISE. In trockenen Regionen sind nach Meinung der Fraunhofer-Forscher dauernde Verdoppelungen der Landnutzungseffizienz nicht ausgeschlossen.

Mehr: Le JT de 20 Heures Ombrea.fr Fraunhofer PV Magazine Next2Sun