Wasserstoffstrategie der Bundesregierung
Grünem Wasserstoff droht der Strom auszugehen

Aus der Wissenschaft gibt es Kritik an der Bundesregierung, weil sie mit gigantischen sieben Milliarden Euro groß angelegte industrielle Wasserstoffprojekte in Deutschland fördere, ohne dafür zu sorgen, dass es genügend Strom aus erneuerbaren Quellen gebe.

Linde-Werk im ostdeutschen Leuna: Aufbau eines Elektroseurs zur Produktion von Wasserstoff (Foto: Linde)

Drei Vorzeigeprojekte auf einen Streich: Das eine heißt „H2Giga“ und beinhaltet Steuergelder für Unternehmen wie dem Essener Stahlriesen Thyssenkrupp und dem Lkw- und Maschinenbauer MAN, um die industrielle Produktion sogenannter Elektroseure zu entwickeln. Das sind Anlagen, die Wasser in Sauer- und Wassertoff aufspalten. Das zweite Projekt trägt den Namen „H2Mare“ und verheißt Konzernen wie Siemens, RWE und Salzgitter-Mannesmann riesige Mengen an Staatsgeldern, um vor Holland mit Hilfe von Windstrom direkt Wasserstoff herzustellen. Das dritte Projekt nennt sich „TransHyDE“ und soll den Transport von Wasserstoffs aufbauen helfen.

700 Millionen Euro macht das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dafür locker. Insgsamt plant die Bundesregierung, sieben Milliarden Euro für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland locker zu machen. Ziel ist es, durch Wasserstoff fossile Brennstoffe zu ersetzen, denn bei seiner Verbrennung entsteht nur Wasser, kein klimaschädliches Kohlendioxid.

Doch die Strategie zur Rettung des Klimas hat einen Haken: Sie geht nur auf, wenn der Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen und nicht etwa aus Erdgas oder mit Strom aus Kohle und Atomkraftwerken hergestellt wird, der Wasserstoff also selbst grün ist. Dazu müssten aber viel mehr Sonnen- und Windstromanlagen in Deutschland gebaut werden, was die Bundesregierung derzeit aber nicht plant. Entsprechend harsch fällt die Kritik aus der Wissenschaft an der Wasserstoffstrategi. Denn sie birgt die Gefahr, dass die bis 2025 angepeilte Kapazität von fünf Gigawatt (enspricht fünf großen Kohlemeilern) zur Wasserstofferzeugung nicht oder nur mit Hilfe klimaschädlicher Mittel erreicht werden kann.

Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), hält die Forschungsförderung für grünen Wasserstoff prinzipiell für sinnvoll. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass für seine Herstellung viel Strom benötigt werde, der klimaneutral noch nicht ausreichend zur Verfügung stehe.

„Mit den BMBF-Projekten wird der zweite Schritt vor dem ersten getan“, sagte Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin gegenüber der „Tageszeitung“. Prioriät müsse der massive Ausbau der regenerativen Energiegewinnung durch Photovoltaik und Windkraft haben. Bis das nicht gewährleistet sei, habe es „eigentlich keinen Sinn, über Grünen Wasserstoff nachzudenken“

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