Kraftwerke
Staatsknete für Klimakiller

Heizen mit Holzpellets gilt als umweltfreundliche Großtat. Zu Unrecht. Die Verfeuerung von Pellets setzt oft mehr CO2 frei als die von Kohle und hinterlässt eine CO2-Schuld, die erst mit dem Nachwachsen der Bäume abgetragen wird.

Umweltlüge Holzpellets Klimawandel auf Staatskosten (Dr. Klaus-Uwe Gerhardt/Pixelio)

Holz ist wieder das, was es vor der Industrialisierung war: ein Energielieferant. Der Holzverbrauch hat sich seit Beginn der Neunzigerjahre verdoppelt, die Hälfte davon wird verheizt – meist in Form von Pellets. Die Verbrennung von Biomasse, in der Regel von Holz, gilt nach den Regeln der EU, aber auch der UNO, als nachhaltig. Fast 60 Prozent der – dieser Definition zufolge – nachhaltigen Energieversorgung in den EU-Ländern stammen inzwischen aus der Forstwirtschaft. Das ist mehr, als Sonne und Wind zusammen europaweit liefern.

Seit langem geht es nicht mehr um Abfallholz. Fast ein Drittel der Pellets bestehen aus zermahlenen Baumstämmen. Von nachhaltiger Energieerzeugung kann ohnehin keine Rede sein. Die Verbrennung von Holz erzeugt einen CO2-Schub, der je nach Baumart erst nach 40 oder 80 Jahren wieder ausgeglichen wird.

In Großbritannien, in den Niederlanden, Dänemark oder den baltischen Staaten ersetzen Pellets in ehemaligen Kohlekraftwerken die inzwischen verpönte Kohle. So liefert das englische Drax-Kraftwerk in der Nähe von Leeds etwa sieben Prozent der elektrischen Energie des Landes. Etwa 70 Prozent der Energie entsteht dort aus Pellets. Ohne öffentliche Förderung könnte diese Art der Stromerzeugung nicht überleben. Im Jahr 2019 erhielt Drax Tag für Tag zum Dank für die Holzverbrennung umgerechnet 2,4 Millionen Euro. Wenn die Fördermittel im Jahr 2027 auslaufen, wird der Kraftwerksbetreiber umgerechnet 11,2 Milliarden Euro von den britischen Steuerzahlern einkassiert haben.

Die Briten sind zwar die ausgabefreudigsten Unterstützer der Energieerzeugung durch Biomasse in Europa mit umgerechnet über zwei Milliarden Euro im Jahre 2019. Doch auch die 27 Länder der Europäischen Gemeinschaft haben ihre Biomasse-Förderung zwischen 2008 und 2018 auf fast 13 Milliarden Euro um 143 Prozent erhöht. Der Löwenanteil davon fiel auf die Förderung der Pellets-Verbrennung. In den Niederlanden hat die Regierung Energiekonzernen wie RWE, Uniper und Onyx 3,5 Milliarden Euro Unterstützung für die Verwendung von Biomasse versprochen.

Onyx prüft zurzeit, ob nicht auch in Deutschland Kohlekraftwerke für die Holzverbrennung umgerüstet werden können. Michael Norton von der Europäischen Akademie der Wissenschaften, die eine Untersuchung zu den Auswirkungen der Pellets-Industrie heraus gegeben hat, ist der Meinung, dass erst die öffentlichen Subventionen die Branche mächtig gemacht habe: „Mit einer großen Industrie entsteht auch eine starke Lobbygruppe.“

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