Bürgerinitiativen
Auch nach Erdbeben: Badische Grüne wollen an der Tiefenwärme festhalten

Die badischen Grünen wollen sich nicht mehr für Sonderinteressen einspannen lassen. Wind- und Solarparks sind kein Tabu, selbst die in Baden und im benachbarten Elsass umstrittene Geothermie findet vorsichtigen Zuspruch.

Geothermiekraftwerk Grüne für ökologische Modernisierung – auch gegen Gruppeninteressen (stux/pixabay)

Bei einer Online-Veranstaltung zum baden-württembergischen Landtagswahlkampf machten der Grünen-Landtagskandidat für den Wahlkreis Kehl, Bernd Mettenleiter und Andre Baumann, Bevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg beim Bund, den Bürgern klar, dass die Erzeugung nachhaltiger Energien unverzichtbarer Beitrag zum Klimaschutz sei. In Baden sind Bürgerinitiativen gegen Wind- und Solarparks und vor allem gegen Geothermie besonders aktiv und blockieren durch Klagen und Einsprüche häufig den Ausbau der Anlagen.

„Unsere Region bietet Wind im Schwarzwald, Sonne in der Rheinebene und Wärme aus der Erde“, betonte Mettenleiter, „neben dem Schutz des Klimas werden wir durch die lokale Produktion von Strom und Wärme unabhängig von ausländischen Öl- und Gasimporten.“ Darüber hinaus schaffe die Energiewende Arbeitsplätze in Zukunftsberufen und sichere die Position als Exportweltmeister. Baumann, promovierter Biologe und ehemaliger Nabu-Landesvorsitzender, wies darauf hin, dass das Land in den vergangenen zehn Jahren den Anteil der Erneuerbaren Energien verdoppelt habe. Man müsse diesen Weg entschlossen weitergehen.

Besonders die tiefe Geothermie, die in den vergangenen Jahren wiederholt zu Erdbeben geführt hatte, wurde kritisch diskutiert. Die beiden Grünen ließen sich jedoch trotz eindringlicher Fragen von Vertretern der „Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie“ nicht zu einem generellen Verdikt der tiefen Erdwärme hinreißen. In Umland von Straßburg hatten 5 000 Meter tiefe Bohrungen Anfang Dezember zu Erdbeben bis zur Stärke 3,5 auf der Richterskala geführt. Die Beben waren bis ins badische Umland zu spüren. Allein in Kehl hatten hundert Betroffene Bauschäden gemeldet. Das bis zu 200 Grad heiße Wasser aus den Tiefen der Erde sollte Strom für 20 000 Haushalte und direkte Heizenergie für 26 000 Wohnungen liefern.

Zu kritiklosen Bejahung der Tiefenenergie waren die beiden Grünen allerdings auch nicht bereit. Baumann betonte, dass die Straßburger Bohrtechnik, bei dem mit hohem Druck Wasser in die Erdtiefen gepresst wird, in Baden-Württemberg keine Chance auf Genehmigung gehabt hätte. „Die tiefe Geothermie soll nur für die Wärmeversorgung verwendet werden, nicht für die Stromerzeugung, sagte Baumann. Und es müsse in umfassenden Genehmigungsverfahren geklärt werden, welche Technik sicher sei.

Abschließend unterstrich Landtagskandidat Mettenleiter noch einmal, dass eine ökologische Modernisierung der Energieerzeugung unabdingbar sei und ganz in die Tradition des südwestlichen Bundeslandes passe: „Baden-Württemberg ist eine der innovativsten Regionen auf der ganzen Welt. Wir müssen mit unserem Erfindergeist Lösungen für die Zukunft bereitstellen.“

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