Gift
Sie kamen, um zu bleiben – ewige Chemikalien

Sie waren im Löschschaum, in der Bratpfanne und in Popkorntüten. In den Böden und im Grundwasser sind die „forever chemicals“ heute noch. Jetzt geht es ihnen an den Kragen.

Entgiftung Wege aus dem ewigen Leben (Harald Schottner/Pixelio)

Ihre Namen sind selbst für Chemiker so sperrig, dass sie die Perfluoralkyl- und Polyfluoralkyl-Substanzen kurz als PFAS bezeichnen. Unangenehmer als der zungenbrecherische Name sind allerdings ihre Eigenschaften. Einmal in Böden und Grundwasser stellen sie Risiken für menschliche und tierische Gesundheit dar. Sie verursachen Krebs und Atembeschwerden. Ewige Chemikalien verhalten sich im Endergebnis ähnlich wie Edelmetalle. Sie zersetzen sich nicht, weil sie sich nicht verbinden. Aber anders als Platin, Gold oder Silber sind sie gefährlich.

Forscher der Universität von Houston und der staatlichen Oregon Universität haben nun bei einer Untersuchung von PFAS von Feuerlöschrückständen im Boden festgestellt, dass eine Einkapselung Grund für die Beständigkeit ist. Die PFAS bilden mit ihrer Umgebung eine zähflüssige Emulsion in Wasser, umgeben von Öl. Anders als gewöhnliche Mischungen von Flüssigkeiten, die sich nach und nach in ihre Bestandteile auflösen, behalten diese Mikroemulsionen ihre Zusammensetzung bei. Diese Mikroemulsionen kapseln die PFAS ein.

Versuche, die den Boden simulierten, ergaben dass etwa 80 Prozent der PFAS in den Mikroemulsionen zurückgehalten werden, wenn die durch den Boden fließen. „Wenn sie leicht hindurchgehen würden, wären sie nicht so hartnäckig über Jahrzehnte hinweg“, sagt Konstantinos Kostarelos, einer der Autoren der Studie und Forscher an der UH Energy, einer Abteilung der Universität von Houston/TX.

PFAS, die während des Chemie-Booms in den Fünfziger- und Sechzigerjahren produziert wurden, finden sich in vielen Haushaltswaren, von Fleckenschutzmitteln über Teflon, Papier und Skiwachs. Sie wurden aber auch für Teppichböden und Baustoffe oder im Feuerlöschschaum verwendet. Zu der Stoffgruppe gehören über 4 000 verschiedene Verbindungen. In der Industrie waren sie beliebt wegen der starken Bindung zwischen Kohlenstoff- und Fluoratomen, die sie beständig macht gegen Hitze, Öl und Wasser. Die Crux: Damit widerstehen auch den klassischen Methoden zur Entfernung von Chemikalien. Weil sie zunehmend ins Visier der Gesundheitsbehörden und Verbraucheranwälte gerieten, haben neue chemische Zusammensetzungen ihre Halbwertzeit verkürzt.

Die alten Hinterlassenschaften aus den Nachkriegsjahrzehnten bleiben. Jetzt, wo die US-Forscher der „ewigen Chemikalie“ auf die Schliche gekommen sind, dürfte es aber nicht mehr lange dauern, bis ein Weg gefunden ist, ihnen das verdiente Ende zu bereiten.

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