Stromer
Ex-Teslaner fordern ihren Ex-Boss mit Luxus-E-Auto heraus

Vor den Toren von Arizonas Hauptstadt Phoenix entstand innerhalb nur eines Jahres die Fabrik für den Lucid Air, dessen Topversion über tausend PS bringt. Im Frühjahr kommt er auf die Straßen. Jetzt soll der Autobauer an die Börse – per Fusion, damit es schnell geht.

Lucid Air Komfort und Pferdestärken (Foto: Lucid)

Dem Börsenportal Bloomberg News zufolge ist Lucid Motors in Gesprächen mit dem Finanzmagnaten Michael Klein. Angeblich soll es darum gehen, ein SPAC (special-purchase acquisition company) als Vehikel für eine Blitznotierung zu nutzen. SPACs sind Firmen, die nur gegründet werden, um mit börsenreifen Unternehmen zu fusionieren. Dadurch gehen die Börsengänge erheblich schneller über die Bühne. Notierungen dauern in den USA bis zwei Jahren. Parkettstarts via Fusionen sind in der E-Auto-Industrie im Trend. Sowohl der amerikanische Lastwagenbauer Nikola, der Sportauto-Hersteller Fisker oder der Nutzfahrzeugproduzent Canoo nahmen diese Abkürzung.

Angeblich soll der Börsengang 15 Milliarden Dollar bringen. Der Kurs des eigens gegründeten SPAC-Vehikels Churchill Corp. IV, die Lucid aufnehmen soll, hat sich in den vergangenen 30 Tagen mehr als verdreifacht und stand heute bei 36 Dollar. Damit wäre die Mantelgesellschaft bereits vor Bestätigung des Deals über sechs Milliarden Dollar wert. Investor Klein hatte beim Börsengang der SPAC auf Anhieb zwei Milliarden Dollar eingesammelt. Mit im Boot ist auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, dessen Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) mit gut einer Milliarde Dollar investiert ist.

Kenner der Branche geben dem Lucid-Abenteuer durchaus Überlebenschancen. Gründer Peter Rawlinson hat, ebenso wie Vize-Produktionschef Peter Hochholdinger, Einkaufschef Peter Hasenkamp, Entwicklungschef Eric Bach oder Vertriebsleiterin Doreen Allen, über Jahre Tesla mit aufgebaut. Tesla-Vormann Elon Musk begleitete das Werden des Konkurrenten mit bitterbösen Tweets. „Er hasst uns„, stellte Lucid-Gründer Peter Rawlinson voller Stolz in einer Twitter-Botschaft klar. Ein Grund der Abneigung könnte darin liegen, dass der E-Luxusschlitten von Lucid schlichtweg gelungen scheint. Autokritiker loben das Design, die Verarbeitung, die Reichweite von bis zu 830 Kilometern und die Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometern in 2,5 Sekunden – letztere dank einer Motorenleistung von 1080 PS.

Billig wird das Komfortauto nicht. Die Extraversion Air Dream in limitierter Auflage wird voraussichtlich 169 000 Dollar kosten. Im Sommer soll eine Variante namens Air Grand Touring für umgerechnet 139 000 Dollar auf den Markt kommen. Zum Jahresende erscheint dann eine weitere Ausführung mit dem Namen Touring für umgerechnet 95 000 Dollar, die dem Model S von Tesla Konkurrenz machen könnte.

Mehr: Bloomberg Edison Reuters Handelsblatt