Hoffnungsträger
Covestro und Thyssenkrupp setzen auf Wasserstoff

Wenn es um den Umstieg in eine postfossile Zukunft geht, gilt das H2-Molekül als Energieträger erster Wahl. Nach der Politik beginnen auch immer mehr Traditionskonzerne, Geschäftschancen rund um diese klimaschonende Technologie zu erkunden.

Entladung eines Salzschiffs am Rhein in Leverkusen Klimaneutral nach Rotterdam Foto: Covestro/Michael Rennertz

Martina Merz, Vorstandschefin von Thyssenkrupp, wollte den Aktionären des angeschlagenen Stahl- und Industrieunternehmens auf der jüngsten Online-Hauptversammlung wenigstens ein wenig Zuversicht vermitteln. Mit der Produktion von Wasserstoff könne der Essener Konzern „zurück in die Erfolgsspur“ finden, versicherte sie. „Auf diesem dynamisch wachsenden Markt haben wir eine gute Ausgangsposition.“ Thyssenkrupp verfüge heute schon über Elektrolyse-Anlagen, die Wasser unter Einsatz von Strom in großen Mengen in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten könnten.

Greentech statt Hochofen. Die Neubesinnung kommt überraschend. Denn die Tochter Uhde Chlorine war schon für den Verkauf vorgesehen, um Geld in die klamme Kasse zu bringen. Ingo Speich, Vertreter des Fondshauses Deka, begrüßt die Kehrtwende: „Wasserstoff ist der einzige wirkliche Leuchtturm bei Thyssenkrupp.“

Beim Dax-Unternehmen Covestro steht nicht der Fortbestand auf dem Spiel. Der Leverkusener Kunststoffspezialist will Punkte sammeln mit einer klimaneutralen Logistik auf dem Rhein. Dafür nimmt er, so der Plan, mit dem niederländischen Partikulierer NPRC von 2024 an zwei erste Binnenschiffe in Betrieb, deren Motoren Wasserstoff statt abgasgeschwängertes Schweröl verbrennen. Die Schiffe sollen Salz vom Seehafen in Rotterdam zum Leverkusener Werk transportieren.

Covestro-Technologievorstand Klaus Schäfer sieht sein Unternehmen in der Pflicht, einen Beitrag zu einer „treibhausgasneutralen Produktion“ zu leisten. Der Verkehr sei der einzige Sektor in der Europäischen Union, in dem die Emissionen seit 1990 gestiegen seien, betonte er.

Die Bundesregierung wird die Initiativen mit Wohlwollen sehen. Erst jüngst hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier einen Plan zum Aufbau einer bundesweiten Wasserstoff-Infrastruktur präsentiert – verbunden mit dem Anspruch, Deutschland solle „globaler Vorreiter“ der Technologie werden. Kritiker machen allerdings darauf aufmerksam, dass die großspurige Ankündigung einen erheblichen Schönheitsfehler aufweist. Denn sauber ist Wasserstoff nur, wenn er mit Ökostrom hergestellt wird. Beim Ausbau der Erneuerbaren steht der CDU-Mann jedoch eher auf der Bremse.

Mehr: SZ Manager-Magazin Covestro