Sündiges Fleisch
Täglich Wurst und Schnitzel überfordern den Planeten

Unsere auf Fleisch basierende Ernährungweise gefährdet global akut das Überleben von 24 000 Spezien, warnen Experten der UN und der britischen Denkfabrik Chatham House in einem aktuellen Report. Die extensive Viehwirtschaft zerstört viele Ökosysteme. Was aber tun?

Rinder auf der Weide
Trügerische Idylle Die drastische Ausweitung von Weideland verdrängt natürliche Lebensräume
Foto: Peggy_Marco on Pixabay

Nie in den vergangenen zehn Millionen Erdjahren starben Arten in einem auch nur annähernd vergleichbaren Tempo aus wie heute, resümieren die Wissenschaftler. Als Schuldigen für diese verhängnisvolle Entwicklung haben sie das globale System der Nahrungsmittelproduktion ausgemacht. Es sei darauf ausgelegt, immer mehr Lebensmittel immer billiger herzustellen. Der Preisverfall habe die globale Nachfrage speziell bei Fleisch förmlich explodieren lassen. Die Kehrseite: Immer mehr Rückzugsgebiete für Flora und Fauna fallen der Umwandlung in Äcker, Getreidefelder und Weiden zum Opfer.

Der Fleisch-Wahn, berichten die Experten weiter, sei zugleich ein entscheidender Treiber der Erderwärmung. 30 Prozent der menschenverursachten Treibhausgase gingen aufs Konto des ungezügelten Verzehrs von Steaks, Würsten und Hühnerbrüsten. Eine weitere Nebenwirkung: Gesundheitsfachleute warnen, die Menschheit futtere sich mit ihrer fleischlastigen Ernährung dick und krank.

Die Chatham- und UN-Forscher empfehlen drei Gegenstrategien, um das Massensterben zu stoppen. Erstens müsse die Ernährung radikal auf eine pflanzliche Basis umgestellt werden. Zweitens sei es dringend geboten, mehr Flächen unter Naturschutz zu stellen. Und drittens sollten die Landwirte Monokulturen abschwören und auf Bio-Anbau umstellen.

Zusammengefasst bedeutet das: Statt dem täglichen Schnitzel zu frönen, wäre die Rückbesinnung auf die Zeiten angesagt, als nur einmal die Woche Fleisch auf den Tisch kam – Omas berühmter Sonntagsbraten. Und da besteht Hoffnung. Einer jüngsten Studie unter anderem der Heinrich-Böll-Stiftung zufolge geben 40 Prozent der 15 bis 29 Jahre alten Deutschen an, ihren Fleischkonsum kräftig runter gefahren zu haben; 13 Prozent ernähren sich vegetarisch oder vegan.

Mehr: Independent Chatham House