Greenwashing
Wie ernst ist Siemens die Rettung des Klimas?

Es war ein Schock für die Beschäftigten. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch will das Geschäft mit fossiler Energie auslaufen lassen und streicht dort 7800 Arbeitsplätze. Doch ist der Umbau zu einem um Schutz des Klimas bemühten Konzern glaubwürdig? Kritiker zweifeln.

Siemens-Umspannstation für Offshore-Wind Fokus auf Erneuerbare, Abschied von der Kohle Foto: Siemens

Es war nicht zuletzt die Abspaltung der schwächelnden Energiesparte, mit der der gerade ausgeschiedene Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser dem Aktienkurs der Konzernmutter zu neuen Höhenflügen verhalf. Jetzt will Bruch mit der Neuausrichtung des Geschäfts auf Felder wie Wasserstoff und Windkraft eine ähnliche Erfolgsstory schaffen. Und kooperiert dabei etwa mit dem Gasespezialisten Linde. An der Ausschreibung neuer Kohlekraftwerke soll sich das Unternehmen hingegen nicht mehr beteiligen.

Für die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald hängt sich die Siemens-Tochter damit ein allzu grünes Mäntelchen um. Ihre Sprecher werfen ihr vor, beim Schutz von Klima und Menschenrechten weiter zu versagen. Sie packen ihre Kritik in die Formel: „Neues Unternehmen – altes Geschäftsmodell“.

Konkret halten die Initiatoren Siemens Energy vor, sich zum Beispiel nicht vom Bau des Kohlekraftwerks Jawa 9 und 10 in Indonesien zurück gezogen zu haben. Einen großen 300-Megawatt-Windkraftpark verorte das Unternehmen ins südliche Marokko, obwohl er in der Westsahara entstehen soll. Dabei habe der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass die Westsahara ein eigenständiges Territorium darstelle, das das dort ansässige sahrauische Volk selbst verwalte und über das die marokkanische Regierung keine Souveranität ausübe.

Weil die Siemens-Energy-Tochter Gamesa versäumte, die Zustimmung der Bewohner der Westsahara einzuholen, schloss Storebrand, der größte privater Vermögensverwalter Norwegens, das Unternehmen laut Urgewald diesen Januar wegen völkerrechtlicher Bedenken aus seinem Portfolio aus.

Und die Menschenrechtler erheben weitere Vorwürfe. In Mosambik wollten die Münchner nicht nur Gasturbinen in ein Konfliktgebiet liefern, wo bei Auseinandersetzung bereits 2000 Menschen ums Leben gekommen seien. Die Ausbeutung der riesigen Erdgasvorkommen dort könnten nach Berechnung der Aktivisten zudem rund zwölf Gigatonnen CO2-Äquivalente freisetzen. Das entspräche etwa dem Siebenfache dessen, was Frankreich jährlich an Treibhausgasen in die Atmosphäre blase. Fazit: Grün geht anders.

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