CO2-Fänger gegen Klimakollaps
Der Versuch, das Klimagas CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen, nimmt Fahrt auf

Kohlendioxid (CO2) heizt die Erde auf. Jetzt rücken raffinierte Techniken in den Fokus, mit denen sich das klimaschädliche Treibhausgas nicht nur einfangen, sondern sogar als wertvoller Rohstoff nutzen ließe. Tesla-Gründer Elon Musk setzt dafür 100 Millionen Dollar aus.

CO2-Fänger von Climeworks auf Island Klimakiller für ewig unschädlich gemacht Foto: Climeworks

Den Betrag spendiert der Technologie-Pionier der gemeinnützigen Organisation XPrize, die mit Wettbewerben Forscher, Startups und Unternehmen aufruft, Lösungen für globale Probleme zu finden, etwa die Bekämpfung des Hungers. Dieses Mal geht es darum, die Erderwärmung aufzuhalten, indem das für die steigenden Temperaturen verantwortliche Kohlendioxid (CO2) aus der Luft gefiltert und für mindestens 100 Jahre sicher eingelagert wird.

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Zehn Gigatonnen CO2, so das Ziel, sollen die Techniken 2050 unschädlich machen können – ein Viertel des gegenwärtigen jährlichen Ausstoßes. Die Lösungen sollen bezahlbar sein, und sie müssten schnell in großem Umfang realisierbar sein, fordert Musk. Denn der gerade zum reichsten Menschen der Welt ausgerufene Visionär weiß, das die Uhr für die Rettung des Klimas in rasendem Tempo abläuft. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, warnt Musk.

Kraftwerk mit negativen CO2-Emissionen

Ein Vorreiter der Idee von der direkten Abscheidung des Kohlendioxids aus der Luft, englisch: Direct Air Capture (DAC), ist das Schweizer Unternehmen Climeworks. Beim Geothermiekraftwerk Hellisheiði auf Island bauen die Eidgenossen gerade eine Großanlage, die jährlich 4000 Tonnen CO2 einfangen und sicher im Untergrund lagern soll. In 700 Meter Tiefe reagiert das Gas mit Basalt und versteinert zu einem Mineral. Der Effekt: Das isländische Kraftwerk weist als einziges auf der Welt eine negative CO2-Emissionsbilanz auf.

Die raffinierte Technik der Schweizer findet immer mehr Bewunderer. Software-Gigant Microsoft will sie einsetzen, um seinem Ziel näher zu kommen, von 2030 an nicht nur keine neuen Treibhausgase mehr freizusetzen, sondern der Atmosphäre sogar welche zu entziehen. Bis zum Jahr 2050 sollen es so viele sein, dass der Konzern seinen CO2-Fußabdruck gänzlich eliminiert hat.

CO2-Reinigung der Luft „effizient“ möglich

In einer aktuellen Studie kommen Wissenschaftler der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) zu dem Schluss, dass die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre schon heute „effizient möglich“ sei. Der Prozess, erläutern die Forscher, ist besonders umweltgerecht, wenn dafür Strom aus grünen Quellen wie Wind und Sonne verwandt wird.

Und noch ein Hoffnungsschimmer. Ein Forscherteam um Peter Edwards von der Universität Oxford stellte kürzlich einen Katalysator vor, der aus CO2 und Wasserstoff klimaneutrales Flugbenzin produziert. Es könnte in allen heutigen Flugzeugtypen eingesetzt werden.

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Raffinierte Konstruktion So funktioniert der CO2-Fänger von Climeworks Quelle: Climeworks