Gründerszene
Frisches Kapital für Mehrweg-Startup

Drei Kölner Jungunternehmer sagen dem Verpackungsmüll den Kampf an. Sie bieten Supermärkten, Gastronomen und Lieferdiensten an, Speisen in Mehrweg-Geschirr statt Plastikschalen zu verkaufen. Prominente Investoren finanzieren die bundesweite Expansion.

Porzellan statt Plastik Appgesteuertes Rückgabesystem gegen die Vermüllung Foto: Vytal

An der Finanzierungsrunde, die den Rheinländern mehr als zwei Millionen Euro bescherte, beteiligte sich unter anderem der Lieferando-Mitgründer Kai Hansen. Zudem stockte Georg Kofler sein Investment auf 750 000 Euro auf. Der Ex-Chef des privaten TV-Senders ProSieben ist auch bekannt als Juror in der Gründer-Show “Die Höhle der Löwen” von Vox, in der die Vytal-Macher ihr Konzept vergangenes Jahr präsentierten.

Anders als die Systeme etwa des Münchener Startups Recup und des Schweizer Anbieters Recircle basiert das Modell der Kölner nicht auf Pfand, um die Nutzer zur Rückgabe zu bewegen. Sie versorgen ihre Abnehmer mit verschließbaren Schüsseln, in deren Deckeln ein QR-Code steckt. Werden die Bowls befüllt, führen Restaurants und Läden je nach Größe der Schale eine Nutzungsgebühr zwischen 15 und 25 Cent an Vytal ab. „Einweggeschirr ist oft teurer“, sagt Mitgründer Tim Breker.

14 Tage Zeit für die Rückgabe der Schalen

Die Kunden identifizieren sich über eine App und haben 14 Tage Zeit, die Schüsseln zurück zu bringen. Danach gehen sie für zehn Euro automatisch in ihr Eigentum über. Darauf ist aber kaum ein Nutzer scharf – die Kölner erreichen nach eigenem Bekunden eine Rückgabequote von 99 Prozent. Zu den bereits 700 Gastronomie-Partnern gehören auch Großcaterer wie Eurest und Aramark; Rewe testet das System derzeit in einigen ausgewählten Supermärkten an seinen Salatbars.

Nach eigenen Angaben hat das digitale Mehrwegsystem der Domstädter 2020 rund 200 000 Wegwerfverpackungen vermieden. Dieses Jahr sollen es schon drei Millionen werden. Entscheidungen der Politik bringen Rückenwind. So will Bundesumweltministerin Svenja Schulze Verkäufer von Essen und Getränken zum Sofortverzehr verpflichten, dafür auch Mehrwegverpackungen vorzuhalten. Die EU hat vor, im Rahmen ihres Green Deals bis 2025 geschlossene Materialkreisläufe verpflichtend zu machen.

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