Sozialer Umbau
Klima-Aktivisten und Gewerkschafter wollen weniger Luftfahrt

Die Umweltinitiative Stay Grounded und eine der größten britischen Gewerkschaften, die PCS, fordern einen konzertierten Rückbau des Flugverkehrs, der die Interessen der Beschäftigten und Umweltfragen in den Vordergrund stellt.

Flieger am Boden So wie vor Corona soll es nie wieder werden (wolfgang 321)

Die beiden Organisationen fordern eine Abkehr vom Flugverkehr der Vor-Corona-Zeit. Flugzeuge seien das klimaschädlichste Verkehrsmittel überhaupt und für sechs Prozent aller klimarelevanten Ausstöße verantwortlich. Dabei verursache eine kleine globalisierte Elite von nur einem Prozent der Weltbevölkerung die Hälfte aller Emissionen der kommerziellen Luftfahrt, während 80 Prozent aller Menschen noch nie geflogen sei.

Die PCS, die vor allem öffentliche Angestellte vertritt, und die luftfahrtkritische Organisation verurteilen die Rettungsbemühungen vieler Regierungen für die Luftfahrt. Allein bis zum August 2020 hätten Regierungen aus 57 Ländern über 137 Milliarden Euro an Steuergeldern zugunsten von Fluggesellschaften zugesagt. Das entspreche etwa 38 Prozent des erwarteten Umsatzeinbruchs. Nur ein kleiner Teil davon sei bei den 2,7 Millionen direkt bei den Fluggesellschaften Beschäftigten angekommen. Mindestens 400 000 Mitarbeiter seien entlassen worden oder stünden vor der Entlassung. Viele andere müssten Lohnkürzungen und neue, schlechtere Arbeitsverträge akzeptieren.

Ein zentrales Problem der Luftfahrt sei, dass keine technischen Lösungen für einen ökologischen Flugverkehr gäbe. Die Elektrifizierung der Flugzeuge beispielsweise sei aus technischen wie ökologischen Gründen keine Option. Würde man alle Flüge mit E-Treibstoffen, also aus Strom hergestellte synthetische Kraftstoffen, betreiben, müsste man dazu mehr Strom einsetzen, als weltweit auf nachhaltige Weise erzeugt wird.

Staatsknete für Mitarbeiter und Umwelt

Daher bliebe keine andere Alternative, als die jetzige, coronabedingte Reduzierung des Flugverkehrs fortzuschreiben und statt der Subventionen der Flughäfen und -gesellschaften den sozialen und ökologischen Umbau mit Steuergeldern abzufedern. „Design statt Desaster“ lautet die Parole der Umwelt- und Sozial-Aktivisten, die mit dem vor wenigen Tagen lancierten Positionspapier eine breite gesellschaftliche Debatte über den Umbau anregen wollen.

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