E-Fuels
Verkompliziert, vergeudet, verpufft

Die Behauptung, mit klimaneutralen Treibstoffen namens E-Fuels für Autos einen Beitrag gegen die Erderwärmung leisten zu können, erinnert an die Legende, der Flug zum Mond habe geholfen, die Teflon-Pfanne zu erfinden.

Zu verschwenderisch, um nachhaltig zu sein: Idee zur Produktion klimaneutraler Treibstoffe, sogenannter E-Fuels (Grafik: Mobil in Deutschland e.V.)

Die Idee klingt einleuchtend: Statt Wind- oder Solaranlagen abzuschalten, weil deren Strom gerade niemand braucht, nehme man die ohnehin anfallende Energie und spalte mit ihrer Hilfe Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff. Den bringe man dann mit Kohlendioxid aus der Luft zusammen und sorge dafür, dass der Kohlenstoff aus dem CO2 sich mit dem Wasserstoff zu Methan verbindet. Und schwuppdiwupp gewinnt man zum Beispiel den Stoff, aus dem Ergas überwiegend besteht, oder ähnliche Substanzen und kann damit weiter Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren fahren – ohne damit, weil ja mit grünem Strom erzeugt, die Atmosphäre weiter aufzuheizen.

87 Prozent der Wind- und Sonnenkraft bleiben auf der Strecke

Doch die sogenannten E-Fuels, wie der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche sich demnächst in Chile zusammen mit Siemens produzieren lassen will, sind unterm Strich eine gigantische Energieverschwendung. Nach einer Studie der Berliner Denkfabrik Agora beträgt der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen, der ein Elekrotauto am Ende tatsächlich zum Fahren bringt, bei E-Fuels lächerliche 13 Prozent. Bei der Nutzung des grünen Stroms, um damit direkt die Akkus von E-Autos zu laden, beträgt dieser sogenannte Wirkungsgrad 69 Prozent. Selbst E-Autos mit Brennstoffzellen, die mit grünem Wasserstoff fahren, liegt er noch bei 26 Prozent. Das ist sehr wenig aber immer noch doppelt so viel wie bei E-Fuels.

Modell der Pilotanlage von Siemens und Porsche für eine E-Fuels-Produktion in Chile (Skizze: Siemens Energy)
Abwehrstrategie der Verbrenner-Lobby

Hauptbefürworter der E-Fuels sind neben der chemischen Industrie die Anhänger des Verbrennungsmotors, an dem die Autoindustrie Jahrzehnte lang blendend verdiente. Das Urteil des Online-Magazins „Gründerszene“ dazu fällt vernichtend aus: „Der Autoindustrie wäre es lieber, sie könnte ihre Motoren weiterbauen und sich den teuren Umbau zur Elektromobilität sparen. Es scheint billiger zu sein, E-Fuels am anderen Ende der Welt produzieren zu lassen. Damit verpasst man aber die Chance, den Technologiewandel anzuführen.“

Der Glaube an den Umweg

Mag sein, dass es Einsatzfelder für E-Fuels gibt: in Flugzeugen oder Schiffen zum Beispiel. Doch es bleibt der verschwenderische komplizierte Umweg bis in den Motor. Von solchen verschlungenen Pfaden redeten die Leute auch in den Jahrzehnten nach der Mondlandung 1969, wenn es um die Teflon-Pfanne ging, deren abweisender Belag angeblich den Forschungen für die Weltraummission entsprang. Doch die Rechtfertigung für die Finanzierung der prestigeträchtigen Aktion der US-Amerikaner war ein Irrtum. Teflon wurde schon 1938 erfunden.

Mehr: Businessinsider, Agora, DLR, Porsche