Oasen
Blühende Landschaften und hängende Gärten im Orient

Der Tschad ist nicht gerade bekannt wegen seiner üppigen Vegetation. Das Tibesti-Gebirge in der Sahara gehört zu den wasserärmsten Gebieten der Erde. Hier sollen örtliche Anbautraditionen und moderne Agrartechniken Dattelpalmen und Zitruspflanzen zum Blühen bringen.

Die Wüste lebt Dattelpalmen in der Sahara (Foto: Musch)

Der Bayreuther Ethnologe Tilman Musch will, unterstützt von der Gerda Henkel Stiftung, mit Gärtnerinnen und Gärtnern aus anderen Oasenkulturen der Sahara zwanzig Mustergärten im Stockwerksbau anlegen. Auf drei Etagen wachsen künftig Dattelpalmen, Zitruspflanzen, Gemüse und Kräuter. Die Oasengärten sollen je eine Fläche von 500 Quadratmeter bedecken.

Die zentrale Pflanze in den Gärten ist die Dattelpalme. Sie liefert nicht nur Früchte, sondern auch Holz und Fasern, die als Baumaterial dienen. Sie liefert auch den Schatten, den andere Pflanzen zum Schutz vor der Sahara-Sonne brauchen. Unter ihren Palmwedeln sollen Granatäpfel und Zitrusfrüchte gedeihen und darunter Gemüse und Heilkräuter. Der in der Höhe gestaffelte Anbau, der aktuellen Konzepten der Waldwirtschaft ähnelt, ist in Nordafrika seit langem verbreitet und passt sich an die natürlichen Gegebenheiten an.

Versalzung und Erosion vermeiden

Die Bewässerung erfolgt mittels moderner Niederdruck-Tröpfchenanlagen. Das dafür nötige Wasser gewinnen die Sahara-Gärtner mithilfe solarbetriebener Pumpensysteme aus oberflächennahen offenen Brunnen. „Wir kooperieren bei der Planung und Bewirtschaftung der Gärten im Tibesti eng mit Menschen aus anderen Gegenden der Sahara, die unter ähnlichen Umweltbedingungen erfolgreich gärtnerisch tätig sind“, sagt Musch. Die Sahara-Bewohner hätten auch langjährige Erfahrung darin, der Versalzung und Erosion der Böden vorzubeugen.

Die Gartenbautraditionen, die früher einen großen Teil des Bedarfs an Obst und Gemüse gedeckt hätten, sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Inzwischen werden die Lebensmittel vornehmlich aus dem Ausland, oftmals in Form von teuren Konserven, eingeführt. „Unser Gartenbau-Projekt wird dazu beitragen, dass die lokale Bevölkerung im Tibesti wieder einen besseren Zugang zu frischen und günstigen Lebensmitteln erhält“, erläutert der Ethnologe.

Musch arbeitet schon länger in der Region. Er hatte zwischen 2017 und 2020 das Rechtssystem des im Tibesti-Gebirge, wie auch im Süden Lybiens und im Osten Nigers ansässigen Teda-Volkes erforscht. Das Garten-Projekt geht auf Anregungen der lokalen Bevölkerung zurück. Mit im Boot ist das tschadische Centre National de Recherche pour le Développement.

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