Eigenheim
Volk mit Raum – Traumhäuser brauchen Fläche

Deutsche Politiker und Medien führen eine Geisterdebatte um das angebliche Verbot von Einfamilienhäusern durch die Grünen. Seit Jahren ist die Verdichtung allgemeiner Standard in der Kommunalplanung – auch in konservativ regierten Städten. Dennoch gelingt es nicht, dem Flächenfraß Einhalt zu gebieten.

Einfamilienhaus am Waldrand Idylle zersiedelt

Zuerst die gute Nachricht: Der Landschaftsverbrauch hat sich vermindert. In den vier Jahren von 1997 bis 2000 wurden täglich etwa 130 Hektar mit Straßen, Gewerbe und Wohnungen bebaut. In der Zeit von 2015 bis 2018 waren es nur noch 56 Hektar. Die schlechte Nachricht: Der Rückgang reicht nicht. Seit dem Jahr 2002 haben alle Bundesregierungen, gleich welcher Couleur, das Ziel verfolgt, den Flächenverbrauch auf 30 Hektar zu begrenzen. Tatsächlich war 2020 die verplante Fläche für das Gesamtjahr einer Berechnung des Naturschutzbundes NABU zufolge bereits Mitte Juli verbaut. Bis zum Jahr 2050 soll der Flächenverbrauch auf Null herunter gefahren werden.

15 000 Jahre

Die Begrenzung ist wichtig, denn Zersiedelung bedeutet Versiegelung für fast die Hälfte der Fläche – mit erheblichen Folgen für die Grundwasservorräte, die Häufigkeit von Überschwemmungen, die Bodenfauna und die Erwärmung der Städte. Darüber hinaus ist die Bodenversiegelung nur mit hohen Kosten zu beseitigen. Auch nach einer Entsiegelung kann die ursprüngliche Bodenstruktur kaum wieder hergestellt werden. Für die Bildung einer Bodenfläche von einem Meter Tiefe braucht die Natur 15 000 Jahre.

Schwachpunkt bei der Durchsetzung des politisch gewollten Ziels ist der Paragraph 13b des Bundesbaugesetzes, der Ausnahmen im geschützten Außenbereich ermöglicht. Vor allem kleinere Gemeinden erschließen Bauland gern im Ausnahmeverfahren, weil sie die Auswirkungen auf Flora und Fauna der Umgebung nicht prüfen müssen. Auch die Verpflichtung für Ausgleichmaßnahmen wie Renaturierung entfallen. Anders als häufig vorgegeben, schafft die Regelung keinen günstigen Wohnraum für Haushalte mit mittlerem oder bescheidenen Einnahmen, sondern teuren Wohnraum für Bessergestellte.

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