Klima
Grüner Wasserstoff wird immer günstiger

Das energiereiche Gas wird zunehmend konkurrenzfähig – auch bei nachhaltiger Herstellung. Für Branchen wie Stahl, Chemie oder Luftfahrt könnte das der entscheidende Schritt in eine CO2-freie Zukunft sein.

Wasserstoff CO2-freie Wirtschaft ist kein Hirngespinst (Foto: ThyssenKrupp)

Einer Untersuchung des Consulters McKinsey zufolge kann grüner Wasserstoff in begünstigten Regionen wie Südamerika, Australien oder Nordafrika für 1,15 Euro pro Kilogramm produziert werden. Damit ist er wettbewerbsfähig mit grauen Wasserstoff.

Der sogenannte graue Wasserstoff wird in der Regel durch chemische Prozesse, die sogenannte Reformierung, aus Erdgas gewonnen und ist daher nicht klimaneutral. Das als grüner Wasserstoff bezeichnete Gas entsteht dagegen durch Elektrolyse, bei der unter Einsatz von nachhaltig gewonnenem Strom, Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Beide Arten von Wasserstoff sind chemisch gleich. Industrien wie die Chemie oder Stahl sind, wenn sie ihre Prozesse klimaneutral gestalten wollen, auf den Einsatz von grünem Wasserstoff angewiesen.

Die Studie, die McKinsey für den Hydrogen-Council, einer Vereinigung von über 100 großen Unternehmen wie Linde, Toyota oder Airbus, erstellt hat, ist optimistisch. In einzelnen Sektoren wie dem LKW-Verkehr könnte Wasserstoff schon in sieben Jahren preislich mithalten. Erstaunlich ist nach Meinung der Consulter das Tempo der Entwicklung. Noch vor wenigen Jahren existierten Elektrolyse-Anlagen fast ausschließlich im Laborformat. Inzwischen gibt es Elektrolyseprojekte für 2030 im Umfang von 36 Gigawatt. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa sechs Gigawatt. McKinsey geht davon aus, dass sich die privaten Investitionen bis zum Ende des Jahrzehnts auf mehr als 250 Milliarden Euro ansammeln.

Ein funktionierender Markt für grünen Wasserstoff sei erst im Aufbau. „Innerhalb der nächsten Dekade wird sich ein globaler Markt für grünen Wasserstoff entwickeln. Treiber dieser Entwicklung dürften Länder wie Japan oder Südkorea sein“, sagt Bernd Heid, Wasserstoff-Experte bei McKinsey, dem Düsseldorfer Handelsblatt. Der Bedarf dieser Länder sei noch höher als der von Europa.

Spaniens Sonne

Lieferländer werden vor allem weiträumige Länder des Südens sein, die von Sonne, Wind und Raum begünstigt sind. Europa wird nach Einschätzungen von Experten nur etwa die Hälfte seines Bedarfs selbst herstellen können – Deutschland sogar nur etwa ein Drittel. Innerhalb Europas nehmen Spanien und Portugal eine Ausnahmestellung ein. Sie verfügen vor den Küsten über windreiche Areale und sind von der Sonne verwöhnt. Ein Zusammenschluss von 30 Firmen will schon im kommenden Jahr anfangen, grünen Wasserstoff auf der Iberischen Halbinsel zu produzieren. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll der Preis dafür unter die magische Marke von 1,50 Euro fallen.

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