Geothermie
Von unten warm – Aachen will mit Faule-Eier-Wasser heizen

Die Römer, Karl der Große, die Industrie-Barone: Sie alle nutzten die heißen Quellen der Kaiserstadt, sei es für die Gesundheit, sei es zum Heizen. Jetzt wollen die Aachener ihre Thermalquellen erforschen, um ihre Erdwärme im großen Maßstab zu erschließen.

Aachen Warme Quellen lösen Heizprobleme (Blitzlicht87/Pixelio)

Versuche, das nach Schwefelwasserstoff riechende Thermalwasser nicht nur für Kurzwecke, sondern auch energetisch zu nutzen, gab es während der vergangenen 2000 Jahre reichlich. Die Römer schätzten sowohl den Heilnutzen wie die energetische Seite und heizten ihren Villen mit dem etwa 55 bis 75 Grad heißen Thermalwasser. Während der Industrialisierung hielten die Textilbarone mit dem warmen Wasser ihre Wasserräder eisfrei. Und seit Jahren existiert ein kleines Netz im Stadtteil Burtscheid das rund zwei Megawatt Heizwärme bereitstellt.

Jetzt wollen die Aachener Stadtwerke (STAWAG) zusammen mit dem Fraunhofer IEG (Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie) die Wärme aus der Tiefe in großem Format angehen. „Heizwärme ist die halbe Energiewende“, sagt Rolf Bracke, Leiter der Fraunhofer IEG. Bis jetzt wird der größte Teil der Aachener Fernwärme aus der Abwärme des Kohlekraftwerks Weisweiler bezogen. Diese soll bis 2030 durch hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien Geothermie ersetzt werden. Die Geothermie soll dabei eine vorrangige Rolle spielen. Mittelfristig erhoffen sich die Partner, mittels Tiefengeothermie ein Drittel der Leistung, die bislang aus Weisweiler kam, zu ersetzen.

Bohrungen und Echolot

Erster Schritt soll die genaue Klärung des geothermischen Energieangebots im Aachener Raum sein. Die Fraunhofer-Forscher wollen im Aachener Nordosten die besonders vielversprechenden Gesteinsschichten in einer Tiefe zwischen drei und fünf Kilometer auszumessen, um Hinweise auf hundert Grad heißes Thermalwasser zu finden. Dazu sollen vornehmlich Ecolot-Verfahren, aber auch Explorationsbohrungen dienen.

Die Aachener Quellen speisen sich aus einer verkarsteten Kalksteinschicht, die in der Eifel versickerndes Wasser aus großer Tiefe als Thermalwasser wieder an die Oberfläche führt. „Davon entkoppelte, aber ähnliche geologische Strukturen dürfte es auch im Osten und Norden von Aachen geben, deren Wasser es aber nicht bis an die Oberfläche schafft“, erklärt Bracke. In München und Paris fördere man seit vielen Jahren solches Thermalwasser und speise es in die Fernwärmenetze. „Um diesen Beispielen zu folgen und Aachen mit nachhaltiger Wärme zu versorgen, brauchen wir mehr Daten und werfen daher nun einen tiefen Blick in den Untergrund.“

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