Texas
Lag es wirklich an den vereisten Windrädern?

Es wird wieder wärmer im Südwesten der USA. Jetzt geht die Suche nach der Ursache für das Versagen der Stromversorgung während der Kältewelle los. Und es zeigt sich, das vor allem Deregulierung und der Ausfall fossiler Energieträger das Debakel verursacht haben und weniger die eingefrorenen Windräder.

Windräder im Eis Zuverlässig dank Beheizung (MarkusGittare/Pixabay)

Die Konservativen im „Lone Star State“ haben es schon immer gewusst: Die Abkehr von ÖL und Gas, also den traditionellen texanischen Energiequellen, erzwungen von sozialistischen Demokraten, ist an allem schuld. „Texas hat zu wenig die Gaskraft unterstützt“, wetterte Dan Crenshow, republikanischer Abgeordneter im Repäsentantenhaus auf Twitter. „Alles in allem: Ohne fossile Energie sind wir verloren. Mit noch mehr Windkraft wären die Ausfälle noch schlimmer.“

Die Wirklichkeit ist komplizierter. Zum einen wird Texas seit Jahrzehnten von Republikanern regiert. Der texanische Netzbetreiber Ercot, ist eine gemeinnützige Einrichtung unter bundesstaatlicher, also republikanischer Kontrolle. Zum andern leidet Texas wie fast alle US-Staaten unter einer armseligen Infrastruktur. Auf die staatliche Minimalversorgung sind die Konservativen in USA jedoch seit je her stolz.

Schlimmer noch: Wenn in Texas Strom ausfällt, kann er nicht von außen zugeliefert werden. Die USA sind in drei Versorgungszonen aufgeteilt: Ost, West – und Texas. Der ölreiche Staat an der Grenze zu Mexiko hat bei der energietechnischen Aufteilung der USA auf einer Extrawurst bestanden, um sich möglichen Regulierungen von außen zu entziehen. Anders gesagt: Die Leitungen wurden gekappt. Im jüngsten Winterchaos konnten Staaten des mittleren Westens Strom aus den Nachbarstaaten beziehen. Texas war isoliert. In der vergangenen Woche verzeichneten über 2000 Orten in den Vereinigten Staaten Kälterekorde. In Minnesota wurden minus 38 Grad gemessen. Verglichen damit waren die Temperaturen in texanischen Städten wie Houston oder Dallas mit minus 10 oder 15 Grad harmlos. Doch in keinem Bundesstaat waren die Stromausfälle vergleichbar. Teilweise waren 4,4 Millionen texanische Haushalte ohne Strom. Mindestens 30 Menschen kamen ums Leben.

Auch Windräder fielen aus

Die Stromausfälle sind nur zum geringen Teil Folge eingefrorener Windräder. Während des Wintereinbruchs fielen rund 30 Gigawatt an Stromkapazitäten in Texas aus. Etwa 27 Gigawatt davon entfallen auf Lieferungen von Gaskraftwerken. Ventile und Instrumente froren ein, der Druck in den Leitungen fiel unter das operable Mindestmaß.

Auch Windräder fielen aus. Der Grund: Im regulierungsfeindlichen Texas sind Antifrost-Vorrichtungen für Windräder nicht vorgeschrieben. In anderen Bundesstaaten, in denen Windräder über Heizeinrichtungen verfügen müssen, drehten sich die Windräder meist weiter.

„Es ist eine Schande, wie die Gegner sauberer Energie sich in einer politisch opportunistischen Scharade engagieren, die die Amerikaner in die Irre führt“, fasste Heather Zichal die Spielchen um das Texas-Desaster zusammen. Der Chef der American Clean Power Association ist sich sicher, dass die Kritiker damit „eine Agenda fördern wollen, die nichts mit der Stromversorgung texanischer Gemeinden zu tun hat.“

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