Corona
Entspannung an der Stickoxid-Front dank Covid-19?

Während der Pandemie verbesserte sich die Qualität unserer Luft. So wurden im vergangenen Jahr in Hessen nur noch an zwei Messstellen Überschreitungen der Stickstoffdioxid-Grenzwerte gemessen. Im Jahr 2019 waren an 16 Orten Überschreitungen gemessen worden. Über die Ursachen sind sich Politiker und Umweltverbände nicht einig.

Autoabgase Bessere Luft, Corona sei Dank (Gabi Eder/Pixelio)

Die beiden Messstellen liegen in Limburg und Darmstadt Die Werte für Stickstoffdioxid (NO2) betrugen dort im Jahresdurchschnitt 41,7 und 44,5 Mikrogramm pro Kubikmeter, teilte das hessische Landesumweltministerium mit. Ab Werten von dauerhaft 40 Mikrogramm müssen die Behörden tätig werden. Dieselfahrzeuge gelten als einer Hauptverursacher für die NO2-Belastung. Darmstadt ist in Hessen die einzige Kommune mit Dieselfahrverboten auf zwei stärker belasteten Straßen.

Nach Untersuchungen des hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie fiel der NO2-Anteil in der Luft im Mittel um etwa sechs Mikrogramm pro Kubikmeter. Das entspricht einem Rückgang von 18 Prozent im Vergleich zu 2019. Auf dem Lande betrug der Rückgang 13 Prozent. Die hessischen Unternehmerverbände (VhU) nahmen die Meldung der verminderten Luftbelastung zum Anlass, eine Überprüfung der Fahrverbote zu fordern. Da die NO2-Belastung überall in Hessen auch ohne Fahrverbote nach unten gehe, seien Fahrverbote unangemessen. An den Messstellen mit erhöhten Werten in Darmstadt sanken die Stickstoffdioxid-Konzentration um 26 Prozent und in Limburg um 16 Prozent. Den größten Rückgang verzeichneten die Messgeräte in Frankfurt am Mainkai mit 40 Prozent.

Bundesweite Verbesserung

Die Situation in Hessen entspricht dem Bundestrend. Im vergangenen Jahr registrierten nur noch drei bis vier Prozent der 400 bundesweit verteilten Messstationen höhere Werte als 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter. Im Jahr 2019 waren es es noch 21 Prozent.

Der Präsident des Bundesumweltamtes Dirk Messner bestreitet, dass die Verbesserung der Luftqualität allein eine Nebenwirkung der Covid-19-Pandemie sei. Ganzjährig habe es keinen wirklichen Einbruch in der Verkehrsaktivität gegeben. Der Rückgang sei vor allem ein Ergebnis der Einrichtung von Tempo-30-Fahrzonen und des Einsatzes sauberer Busse und PKWs. Demgegenüber stehen die Einschätzungen der Deutschen Umwelthilfe und Greenpeace, nach denen die Pandemie und nicht die vereinzelten Umweltschutz-Maßnahmen die Luftqualität verbessert hätten.

Mehr: Die Zeit