Heringe
In warmen Zeiten ist auch der Hering verloren

Der einstige Fisch der armen Leute wird in der Ostsee immer seltener. Der Klimawandel setzt dem Hering dermaßen zu, dass der Fang immer weiter eingeschränkt werden muss – ohne Aussicht auf Besserung.

Heringskiller Klima: An der Ostsee hat sich’s ziemlich ausgeräuchert (Foto: PublicDomainPictures / pixabay)

In schlechten Zeiten ist auch der Hering ein Fisch, sagt ein jüdisches Sprichwort. Das sollte zum Ausdruck bringen, dass für Gourmets der kaum 30 Zentimeter lange Silberling nicht ansatzweise an Kabeljau oder Lachs heranreicht und nur in Notlagen die Lust auf Fisch stillt. In Zeiten des Klimawandels kann der Hering jedoch froh sein, wenn er überlebt, vor allem in der Ostsee. Das zeigt eine Untersuchung des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Braunschweig, einer Bundesforschungseindrichtung für ländliche Räume, Wald und Fischerei.

Notwendige Fangbeschränkungen bedrohen Heringswirtschaft

Nicht Überfischung, sondern die Erd- und Meereserwärmung sorgt nämlich dafür, dass die Heringe in der Osteee heute 14 Tage früher schlüpfen als vor 15 Jahren. Dadurch sind sie in Wochen des Jahres auf Nahrung aus dem Meer angewiesen, in denen es noch nicht genug davon gibt, und sterben in großem Umfang. Um das Aussterben zu verhindern, hat die EU die erlaubte Fangmenge in der westlichen Ostsee seit 2017 um 94 Prozent auf nur noch 1.575 Tonnen Hering pro Jahr reduziert. „Das kommt einer Schließung der Heringsfischerei sehr nahe“, sagt Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei. Wenn der Bestand in gutem Zustand wäre, könnten vor den deutschen Ostseeküsten 20 000 Tonnen Hering jährlich gefischt werden.

Ein kalter Winter könnte helfen…

Inzwischen sind die Heringe aber in einer so schlechten Verfassung, dass sie sich nur noch halb so gut vermehren wie vor 30 Jahren. Eine Erholung und nachhaltige Nutzung sei innerhalb von fünf bis sechs Jahren möglich, so Institutschef Zimmermann, wenn die Fangmengen niedrig blieben. Ein kalter Winter könnte die Erholung beschleunigen – ist aber nicht in Sicht.

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