Deutschland erlebte sein grünes Wunder

Vermutlich hat es gar niemand bemerkt. Doch am frühen Morgen des 27. Dezembers im vergangenen Jahr wurde die Zukunft dreimal für ein paar Minuten zur Realität: Deutschland verbrauchte nur Strom aus erneuerbaren Energien.

Abgemeldet: Wo die rote Linie die blaue Fläche berührt, wurden Atommeiler und fossile Kraftwerke für kurze Zeit nicht mehr gebraucht (Quelle: Bundesnetzagentur)

Die Mitternacht war vorüber, die Dämmerung ließ noch auf sich warten an diesem Sonntag, dem 27. Dezember 2020, das Sturmtief Hermine rauschte in der Dunkelheit über Deutschland hinweg. Da passierte es, wovon Umweltbewegte und Energiewender hier zu Lande seit Jahrzehnten träumen. Kurz nach zwei Uhr, gegen vier Uhr und noch einmal gegen sieben Uhr brauchte es keine Atom-, keine Kohle- und keine Gaskraftwerke mehr, um Deutschland mit Strom zu versorgen, es reichten Wasser- und vor allem Windkraft an Land sowie auf See.

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Fossile Kraftwerke fast den ganz Tag abgemeldet

Das grüne Wunder ist dokumentiert in der Datenbank der Bundesnetzbehörde in Bonn, die über die Stromversorgung in Deutschland wacht. Als die Deutschen an diesem Sonntag nach Weihnachten langsam wach wurden, reichte die Wintersonne, um mit Hilfe von Solaranlagen zusammen mit den noch laufenden Atommeilern den steigenden Strombedarf den Tag über zu decken. Kohle- und Gaskraftwerke brauchte es bis zum späten Abend nicht.

Auch wenn günstige Faktoren zusammenkamen, hier starker Wind, dort niedriger Verbraucher, so zeigen die wenigen Minuten an diesem denkwürdigen Tag: Eurpas wichtigste Industrienation erzeugte für ein paar Momente genug grünen Strom, um ihren Bedarf an Elektrizität komplett ohne klimaschädlichen fossilen Energieträgern und die hier verpöhnte, anderswo aber forcierte Atomkraft zu decken.

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