Raffinerien
Der Wasserstoff vun Kölle is jot

Der Mineralölkonzern Shell will das Herzstück seiner Produktion in Deutschland, die Raffinerien im Süden von Köln, schrittweise für die Herstellung von grünem Wasserstoff und anderen klimafreundlichen Treibstoffen umbauen.

Schweröl zu Flugbenzin: Die Shell Rheinland Raffinerie in Godorf bei Köln soll langsam auf klimafreundliche Treibstoffe umstellen (Foto: Wolkenkratzer)

„Dat Wasser vun Kölle ist jot“ dichtete 1983 die Kölner Musikkapelle Bläck Fööss – für Nicht-Rheinländer: „Das Wasser von Köln ist gut.“ Das Prädikat sollen nun bald auch die Erzeugnisse erhalten, die die Rheinland Raffinierie von Shell in Godorf künftig herstellt. Denn der niederländisch-britische Mineralökonzern will seine Anlagen zur Verarbeitung von Erdöl im Süden von Köln schrittweise in Produktionsstätten für Wasserstoff und andere Treibstoffe umbauen, die mit fossilfreien Energieträgern hergestellt werden.

Schlüsselrolle für Shell in Deutschland

„Die Rheinland Raffinerie ist Motor und Herzstück der Shell-Aktivitäten in Deutschland und wird eine Schlüsselrolle spielen, um die Produkte bereitzustellen, die sich zusehends von unserem heutigen rohöldominierten Angebot unterscheiden und mehr und mehr zu regenerativen Lösungen wie synthetischen und Biokraftstoffen sowie grünem Wasserstoff wandeln werden“, so Raffinierie-Direktor Marco Richrath. Im Sommer soll eine Pilotanlage den Betrieb aufnehmen, die Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufspaltet. An dem Projekt ist unter anderem der Industriegase-Spezialist Linde beteiligt, der seinen Sitz 2018 nach der Fusion mit dem US-Wettbewerber Praxair von München nach Irland verlagert hatte.

Klimafreundlicherer Sprit für Flugzeuge

Ebenfalls geplant sind Anlagen, die mit Hilfe grüner Energie Treibstoffe für Flugzeuge produzieren. Die sollen dazu beitragen, dass der Ausstoß von Treibhausgas im Flugverkehr um 80 Prozent sinkt. Shell steht von vielen Seiten unter Druck. So muss sich der Multi muss wegen Umweltverschmutzung durch seine Ölforderung in Nigeria vor Gericht verantworten und zunehmend gegenüber Investoren rechtfertigen, die langfristig einen Kursverfall der Shell-Aktien wegen der klimaschädlichen Erdölprodukte fürchten. Um die Anleger zu beruhigen hatte der Konzern vor kurzem angekündigt, bis 2050 klimaneutral zu werden.

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