Tierwohl
Fleischsteuer für mehr Tierschutz im Stall

Ein Gutachten für Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zeigt Finanzierungswege auf, die Haltungsbedingungen für Rinder und Schweine zu verbessern und kalkuliert die damit verbundenen Investitionen. Greenpeace drängt auf eine rasche Umsetzung.

Schweine drängen sich in einem Koven
Schweinekoven: Tiere leiden unter Enge, fehlendem Auslauf und Eintönigkeit Foto: Hans on Pixabay

Drei Optionen nennen die Gutachter der Anwaltskanzlei Redeker Sellner Dahs mit Hauptsitz in Bonn:

  • Anhebung der Mehrwertsteuer auf tierische Produkte von derzeit sieben auf 19 Prozent;
  • Einführung einer Verbrauchssteuer (Tierwohlabgabe);
  • Einführung einer Ergänzungsabgabe Tierwohl.

Die erste Option spülte bis zu 6.3 Milliarden Euro jährlich in die Staatskasse; die zweite rund 4,2 Milliarden Euro. Die Steuern würden den Berechnungen zufolge ein Kilo Rinder- und Schweinefleisch um 47 Cent (Tierwohlabgabe) bis zu 3,18 Euro (Mehrwertsteueranhebung) verteuern.

Mehr Tiewohl gibt es nicht zum Nulltarif

Mit den Steuereinnahmen könnte die Bundesregierung den Landwirten zumindest einen Teil der Kosten erstatten, die ihnen durch die notwendige Umrüstung der Ställe und höhere laufende Ausgaben entstehen. Klöckners Ministerium beziffert diese auf 2,9 Milliarden Euro im Jahre 2025 und sogar auf 4,3 Milliarden Euro 2030.

Klöckner vermied es bei der Präsentation des Gutachten, sich auf eine Variante festzulegen. Doch sie bereitete die Verbraucher auf unumgängliche Preiserhöhungen vor. „Mehr Tierwohl im Stall und auf der Wiese gibt es nicht zum Nulltarif.“ Den Umweltschützern von Greenpeace genügen solche Lippenbekenntnisse nicht mehr. Sie fordern eine Umsetzung der Vorschläge noch vor der Bundestagswahl. „Es gibt nun keine Ausreden mehr.“

Ziehen die Verbraucher mit?

Natürlich müssen auch die Verbraucher mitspielen. Da macht ein jüngstes Milchpreis-Experiment einer Bürgerinitiative mit der Supermarktkette Rewe Mut. Demnach akzeptieren die Käufer einen doppelt so hohen Preis wie beim Discounter, wenn dafür gewährleistet ist, dass Biostandards eingehalten und die Bauern fair entlohnt werden.

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