Elektromobilität
Deutsche Autokonzerne geben Strom

Die Ära der Verbrenner neigt sich dem Ende zu. BMW stellt schon 2024 die Produktion von thermischen Motoren in Deutschland ein. Daimler Benz will das traditionsreiche Motorenwerk in Untertürkheim für Stromer umrüsten. Und bei VW hätte sich der Elektrowagen ID.3 im vergangenen Dezember bei den Zulassungszahlen fast am Golf vorbei geschoben.

E-Auto ID.3 Abschied vom Verbrenner kommt schneller als erwartet (Foto: Volkswagen)

So betrug der Abstand zum herkömmlichen Golf bei den Zulassungen in Europa in dem Monat nur noch rund 2000 Fahrzeuge bei 27 997 ID.3-Zulassungen. Volkswagen zieht daraus Konsequenzen und stellt nach 2026 die Entwicklung neuer Plattformen für Verbrennungsmotoren ein. Bis Ende des Jahrzehnts wollen die Wolfsburger 70 Prozent des Absatzes mit E-Autos machen.

Auch bei der sportbetonten Marke BMW stehen die Zeichen auf E-Mobilität. Schon im kommenden Jahr bauen die Münchner in jedem der vier deutschen Werke Elektro-Autos. Ab 2025 erhalten die Stromvehikel unter dem Motto „electric first“ Vorrang. Die Hälfte der Mitarbeiter hat der Konzern bereits auf die kommende Antriebstechnik umgeschult. Bislang galt die Devise, dass bis 2025 ein Drittel der ausgelieferten PKW elektrisch angetrieben sein soll. Bei der kommenden Vorstellung der Konzernzahlen will BMW-Chef Oliver Zipse die Latte jedoch noch mal höher legen.

Blick zurück mit Wehmut

Und Mercedes, bislang eher der Nachzügler in Sachen Verstromung, will die Verbrenner-Vielfalt bis 2025 um 40 Prozent herunter fahren und bis 2030 um 70 Prozent. Noch sind die Daimler-Manager und -Mitarbeiter dabei, das Aus für den thermischen Motorenbau in Untertürkheim, emotional zu verarbeiten. Nach der jüngsten Entwicklungsserie thermischer Motoren soll keine weitere Verbrenner-Generation mehr folgen. „Der Großteil der Investitionen kann jetzt wirklich in die Elektromobilität gehen,“ so Markus Schäfer, Daimler-Vorstand für Entwicklung und Forschung, jüngst zum Handelsblatt.

Entsprechend wird Daimler den elektrischen Antriebsstrang ab 2024 in seinen eigenen Werkstätten fertigen, anstatt ihn von ZF Friedrichshafen oder von Valeo Siemens zu kaufen. Allerdings verzichten die Stuttgarter zumindest vorerst auf die Fertigung von Batterien. Es sei noch nicht entschieden, welche Akku-Technik sich letztlich durchsetze, lautet die Begründung in Stuttgart.

Politische Vorgaben treiben die Autobauer an

Angetrieben werden VW, Daimler und Co. durch politische Vorgaben. Die EU-Kommission will die Treibhausgase bis 2030 um 55 Prozent vermindern. Und ab 2025 gilt die Abgasnorm Euro 7, die für Verbrenner-Fans den Autokauf auf jeden Fall verteuert. Möglicherweise fallen die neuen Regeln sogar so aus, dass Neuwagen nur noch weniger als 30 oder nur 10 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen dürfen. Dann könnte es – so die Einschätzung von Daimler-Vorstand Schäfer – in vier Jahren kaum noch möglich sein, Verbrenner zuzulassen.

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