Vonovia
Klima retten, Mieter ausbeuten

Eine Nachhaltigkeit der besonderen Art verfolgt der Wohnungskonzern Vonovia: Hier die Ankündigung, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen, dort die gnadenlose Erhöhung der Mieten. Nachhaltig daran sind in erster Linie die Profite.

Modernisieren, abkassieren Vonovia-Immobilie im Essener Stadtteil Karnap (Foto: Vonovia)

Vonovia-Chef Rolf Buch gelang ein Spektakel. „Wir haben die Kraft und den Willen, unseren Beitrag zur Klimawende zu leisten. Wir erklären verbindlich: 2050 ist unser Gebäudebestand klimaneutral“, verkündete der Chef des führenden deutschen Wohnungskonzerns auf einer „ersten Klimakonferenz„, die er im vergangenene Oktober in Berlin aufzog. Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt gab sich sogar zu einem Grußwort her: „Wir stehen vor einer Zeitenwende, die ungewöhnliche Schritte erfordert. Wir müssen das Problem gemeinsam anpacken und an einem Strang ziehen“, so die ehemalige Chefin der Syndode der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Der Aktionäre Freud…

Mit wem der Immobilienriese (mehr als 400 000 Wohnungen) vor allem an einem Strang zieht, zeigte Konzernchef Buch jetzt ein halbes Jahr später bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2020: nämlich mit den Aktionären, darunter der US-Vermögensverwaltungsgigant Blackrock, der niederländische Investmentfonds APG und sein amerikanischer Wettbewerber Fidelity. Denn trotz Corona steigerte Vonovia die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent und den operativen Gewinn um 10,6 Prozent. Deshalb will Vonovia-Chef Buch auch die Dividende erhöhen und jedem Aktionär 1,69 Euro pro Aktie überweisen, zwölf Cent oder 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

… ist der Mieter Leid.

Aus wessen Taschen die Dividende und deren Erhöhung zu einem großen Teil stammen, zeigt der Blick in die Bücher von Vonovia. Denn der Aktionäre Freud ist der Mieter Leid. 2020 erhöhte Vonovia die Mieten um 3,1 Prozent nach 3,9 Prozent im Vorjahr. Das waren 2019 fast dreimal und 2020 sogar sechs mal so viel wie die allgemeine Inflation. Wären einige Bauarbeiten wegen Corona nicht liegen geblieben, hätten Vonovia die Mieten vermutlich noch stärker erhöht. Denn die Mietgesetze erlauben es den Vermietern, Modernisierungskosten auf die Miete umzulegen und nach Abbezahlung durch die Bewohner die Miete oben zu halten. So oder so erhöhte Vonovia die durchschnittliche Miete binnen eines Jahres von 6,79 Euro pro Quadratmeter auf 6,95 Euro Ende Dezember.

Protest von Mieteraktivisten

„Rekorddividenden ausschütten wollen, dabei das Klima retten, und das alles, ohne die Mieter zur Kasse zu bitten. Das ist wohl eine mehrfache Quadratur des Kreises“, sagt Knut Unger vom MieterInneverein Witten. „Angesichts des Chaos auf den Modernisierungsbaustellen, der vielen Falschabrechnungen, der Mieterhöhungen, der Ausflüchte, denen kritische MieterInnen tagtäglich begegnen, muss man sich wohl eher davor fürchten, wenn der Finanzinvestor Vonovia nun noch mehr Kontrolle über die Quartiere, das heißt auch die Zahlungen und die Daten der MieterInnen und immer mehr Lebensbereiche, bekommen will. Es ist höchste Zeit, dass sich die Vonovia-MieterInnen besser organisieren.“

Politiker der SPD, Grünen und Linken sowie das Freiburger Öko-Institut fordern vor diesem Hintergrund, dass der Vermieter die Kosten der energetischen Sanierung nicht mehr vollständig auf die Mieter abwälzen darf.

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