Forstwirtschaft
Debatte über Holzverbrennung nimmt Fahrt auf

Der Brief von 500 internationalen Wissenschaftlern an führende Politiker hat die Diskussion über die Holzverbrennung wieder entfacht. Die Umwelt-Experten kritisieren, dass die industrielle Energieerzeugung durch Holzverbrennung den Klimawandel befördere.

Baumstämme, bereit zum Abtransport Nicht nur Restholz kommt zur Verbrennung (Harald Schottner/Pixelio)

In dem Brief an US-Präsident Joe Biden, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und andere führende Politiker fordern die Forscher, auf die Verbrennung von Holz zu verzichten. Längst beschränke sich die Verbrennung nicht mehr auf Reste, die anderweitig nicht zu verarbeiten seien. Vielmehr gingen die holzverarbeitenden Unternehmen dazu über, unbeschädigte Bäume für die Verbrennung zu ernten. Zu den Wissenschaftler gehören neben Forschern der Universitäten Oxford, Harvard und Stanford auch deutsche Experten vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der Humboldt-Universität Berlin und der Universität Göttingen.

ANZEIGE

Die 500 Experten fordern, die EU solle damit aufhören, „das Verbrennen von Biomasse in ihren Standards für erneuerbare Energien als klimaneutral zu behandeln.“ Die Politiker müssten folglich finanzielle Unterstützungen und andere Anreize für die Energiegewinnung durch Holz stoppen. Es sei eine Illusion zu glauben, dass die Fällung und Verbrennung von Stämmen sowie die danach ansetzende Wiederaufforstung klimaneutral sei oder gar zusätzlich CO2 binde.

Tatsächlich dauert es Jahrzehnte, bevor die nachwachsenden jungen Bäume wieder ebenso viel CO2 binden, wie die ausgewachsenen Bäume, die zuvor gefällt und verbrannt wurden. Diese Zeit, so die Wissenschaftler, stehe der Welt nicht mehr zur Verfügung. Das gelte auch unter der Annahme, dass fossile Energieträger wie Kohle, ÖL oder Gas durch Holz ersetzt würden.

Subventionen für CO2-Freisetzung

Der Holzverbrauch weltweit hat sich in den vergangenen dreißig Jahren verdoppelt. Die Hälfte davon wird verbrannt. Fast ein Drittel der Pellets stammt nicht aus Abfallholz, sondern aus zermahlenen Baumstämmen. Doch geht die Holznutzung inzwischen weit über die – wegen der Feinstaubbelastung – ohnehin kritisierte Ofennutzung oder Pelletsbeheizung von Gebäuden hinaus. In den Niederlanden, in Dänemark und im Vereinigten Königreich dient Holz in Großkraftwerken als Kohleersatz. So liefert das englische Kraftwerk Drax bei Leeds sieben Prozent des Energieverbrauchs im Königreich. Rund 70 Prozent der dort verbrauchten Energie stammt aus Pellets. Da die Holzverbrennung als klimaneutral gilt, wird sie subventioniert. Im Jahre 2019 kassierte Drax Tag für Tag umgerechnet 2,4 Millionen Euro von britischen und europäischen Steuerzahlern.

Holzverbände wehren sich

Der Aufruf der Wissenschaftler zum Stopp solcher Praktiken hat lebhaften Reaktionen bei den Verbänden der Holz- und Forstwirtschaft provoziert. Die Verbände bemängeln, dass die Kritik der 500 Forscher auf Forstpraktiken ziele, wie sie in westeuropäischen Ländern nicht gängig seien.

So betont die Interessengemeinschaft Schweizer Holzenergie, dass in den meisten Ländern Europas Energieholz kein hochwertiges Holz sei. Typischerweise handele sich um Produkte der Waldpflege wie minderwertiges Sturm- und Käferholz oder Ernterückstände. Für diese sei keine höherwertige Verwendung möglich. Und in einer Stellungnahme des Fachverbandes Holzenergie mit Sitz in Bonn heißt es: „Wir bewirtschaften unsere Wälder nach höchsten Nachhaltigkeitsstandards, wobei weniger Holz entnommen wird als nachwächst.“ Tatsächlich nähme die Menge an Holz in Deutschland pro Hektar kontinuierlich zu – heute seien es sechs Prozent mehr als 2012.

Mehr: Scientist Letter