E-Automarkt
Europa überholt China bei den Neuzulassungen für Stromer

Der alte Kontinent erlebt einen wahren Boom des Elektroautos. Die Zulassungen in Europa stiegen im vergangenen Jahr um 134 Prozent auf 1,37 Millionen. In China stagnierte der E-Automarkt hingegen fast und in die USA ging er sogar zum zweiten Mal zurück. Deutschland hat weltweit die höchste Zuwachsrate.

E-Auto beim Laden Deutschland mit starkem Zuwachs (Foto: Mercedes Benz EQC)

Nicht zuletzt dank der üppigen Förderungen von bis zu 11 000 Euro legten hierzulande die Stromer um 264 Prozent auf 394 632 Vehikel zu. Dies ergibt sich aus der jüngst veröffentlichten Übersicht des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). In absoluten Zahlen wurden dem ZSW zufolge damit 2020 zwischen Rhein und Oder mehr E-Autos zugelassen als in den Vereinigten Staaten. Dort ging der E-Markt sogar um zwei Prozent auf 322 400 Fahrzeuge zurück. Unerreichbar bleiben die Chinesen mit 1,25 Millionen Zulassungen – trotz der minimalen Steigerung von nur zwei Prozent in China. Bemerkenswert ist auch der Zuwachs in Frankreich um 180 Prozent auf 194 700 Autos.

„Der E-Fahrzeugmarkt entwickelt sich in vielen Ländern sehr vielversprechend, insbesondere in der Europäischen Union“, sagt Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. Der positive Trend sei jedoch auch auf höhere Fördersätze für Elektrofahrzeuge im Rahmen von Corona-Konjunkturpaketen und zusätzliche Maßnahmen wie die abgesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland zurückzuführen. Es gelte deshalb, diesen Impuls nach und nach in ein marktgetriebenes Wachstum zu überführen.

Nur so könne das Ziel der Bundesregierung von sieben bis zehn Millionen Elektroautos im Bestand bis 2030 effizient erreicht werden. Hierfür müssten in Deutschland jedes Jahr rund eine Million E-Fahrzeuge neu zugelassen werden. Der Erfolg des vergangenen Jahres sei somit erst ein Anfang. Staiß: „Das erwartbar ambitioniertere neue EU-Klimaschutzziel dürfte eher noch einen deutlich größeren E-Auto-Anteil erfordern als bislang angestrebt.“

Plug-in-Hybride schönen das Bild

Dass der E-Auto-Boom noch ein zartes Pflänzchen ist, zeigt sich im Vergleich zu den Gesamtzulassungen. Abgesehen von Norwegen, wo im vergangenen Jahr 62,4 Prozent der Neuwagen Stromer waren und Schweden mit 29.1 Prozent, liegen die Zulassungen im unteren Prozentbereich. In Deutschland beträgt der Anteil 10,9, in China nur 6,2 Prozent. In den USA verharrt er bei rund zwei Prozent.

Noch düsterer wird das Bild angesichts der Tatsache, dass die vom ZSW veröffentlichten Zahlen alle Autos einbeziehen, die Strom von einer externen Quelle tanken können. Ohne die sogenannten Plug-In-Hybride kommt Deutschland nur auf eine Zahl von rund 194 000 Neuzulassungen vollelektrischer Autos – ganze 5,4 Prozent der Neuzulassungen. Noch jämmerlicher erscheint der Anteil am Gesamtbestand der Autos: Ganze 1,2 Prozent der Autos auf Deutschlands Straßen waren echte Stromer. Tröstlich: Im Jahr davor lag der Anteil bei nur 0,5 Prozent.

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